Demonstrant vor brennenden Barrikaden in Kiew. (Bildquelle: dpa)

Proteste in der Ukraine Demonstranten blockieren Ministerium

Stand: 25.01.2014 16:02 Uhr

In Kiew stehen sich gewaltbereite Demonstranten und Sondereinheiten der Polizei weiter gegenüber. Die Sicherheitskräfte drohten den hinter Barrikaden verschanzten Regierungsgegnern mit einer Offensive, sollten sie nicht zwei entführte Milizionäre herausgeben. Diese wiesen die Schuld am Verschwinden der Polizisten jedoch zurück.

Die Demonstranten versuchten indes, das Energieministerium in Kiew zu stürmen. Energieminister Eduard Stawytsaki sagte der Nachrichtenagentur Reuters, rund 100 Bewaffnete hätten versucht, das Gebäude zu besetzen. Er habe den Demonstranten klargemacht, dass sie die Energieversorgung im ganzen Land lahmlegten, wenn sie nicht abzögen, berichtete der Minister telefonisch aus dem Gebäude. Zwar seien die Protestierenden zunächst abgezogen, doch der Eingang zum Ministerium sei weiter blockiert. Am Vortag hatten Demonstranten bereits das Landwirtschaftsministerium besetzt.

Ein Treffen zwischen Präsident Viktor Janukowitsch und Oppositionsführer Vitali Klitschko verlief ergebnislos. Ziel der Gespräche im Präsidialamt in Kiew war die Suche nach einer Lösung der politischen Krise. Für die Regierungsgegner nahmen auch Ex-Parlamentschef Arseni Jazenjuk sowie Nationalistenführer Oleg Tjagnibok teil.

Leiche eines Polizisten in Kiew gefunden

Nach einem kurzen Waffenstillstand war es in der Nacht zu neuen Zusammenstößen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und Sondereinheiten der Polizei gekommen: Regierungsgegner warfen Steine und Brandsätze auf Sicherheitskräfte, Polizisten reagierten mit Blendgranaten und Tränengas. Erneut brannten Barrikaden.

Lage in Kiew weiterhin angespannt
nachtmagazin 00:40 Uhr, 25.01.2014, Udo Lielischkies, ARD Moskau zzt. Kiew

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Für zusätzliche Spannungen sorgte eine Mitteilung des Innenministeriums, dass abseits der Zusammenstöße die Leiche eines Polizisten gefunden wurde. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Bisher bestätigten die Behörden den Tod von drei Aktivisten, Regierungsgegner sprechen von mittlerweile sechs Toten. Hunderte Menschen wurden verletzt, darunter auch viele Sicherheitskräfte.

Hardliner wird neuer Verwaltungschef

Auch die Entscheidung des pro-russischen Präsidenten Janukowitsch, seinen Vertrauten Wladimir Makejenko zum neuen Chef der Stadtverwaltung in Kiew zu ernennen, sorgte für Unmut. Der in Russland geborene Makejenko gilt als Befürworter einer "harten Linie" gegen die pro-westlichen Demonstranten.

Der Oppositionspolitiker Arseni Jazenjuk sprach sich für eine Vermittlung des Europarats in dem Konflikt aus: "Ohne unsere westlichen Partner wird die politische Krise nur schwer zu beenden sein", sagte er nach einem Treffen mit EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle in Kiew. Füle, der sich gestern bereits mit Janukowitsch getroffen hatte, forderte beide Seiten auf, die Gewalt zu stoppen und den Dialog fortzusetzen.

Janukowitsch hatte zuletzt zwar Zugeständnisse in Aussicht gestellt, die Regierungsgegner sehen dies jedoch nur als "Hinhaltetaktik". Oppositionspolitiker Vitali Klitschko sagte, der Präsident versuche, sich "um den Preis von Blut und Destabilisierung an der Macht zu halten".

In der Nacht brannten erneut Barrikaden in Kiew, Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. (Bildquelle: AFP)
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In der Nacht lieferten sich Demonstranten erneut Straßenschlachten mit der Polizei.

Der Maidan am Freitagvormittag (Bildquelle: REUTERS)
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Trotz der Kälte harren die Protestierenden weiterhin im Zeltlager auf dem Maidan aus.

Besetzte Behörden auch in der West-Ukraine

Auch im nationalistisch geprägten Westen des Landes hielten Demonstranten in mehreren Städten weiter offizielle Gebäude besetzt. In Winniza stürmten Regierungsgegner den Sitz des örtlichen Rats. Die Miliz lasse die Demonstranten gewähren, sagte ein Parteikollege der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko.

Die Proteste waren ausgebrochen, nachdem Janukowitsch im November auf Druck Russlands ein von der Opposition als historische Chance betrachtetes Annäherungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hatte.

Lage in der Ukraine
C. Nagel, ARD Moskau
25.01.2014 16:24 Uhr

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