Vladimir Putin (Archivbild vom 20.02.14) | Bildquelle: AFP

Konflikt in der Ostukraine Putin will Gespräche über Status

Stand: 31.08.2014 14:29 Uhr

In einem TV-Interview hat Russlands Präsident Wladimir Putin Verhandlungen über die Staatlichkeit der Südostukraine gefordert. "Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine", sagte er in einem Interview mit dem Staatsfernsehen. Ziel müsse es sein, die "gesetzlichen Interessen der dort lebenden Menschen zu schützen", betonte Putin.

Der Kreml trat aber am Nachmittag dem Eindruck entgegen, Putin habe die Eigenstaatlichkeit der Ostukraine gefordert. Sein Sprecher Dimitri Peskow betonte vor Journalisten, "Neurussland" solle "selbstverständlich" Teil der Ukraine bleiben. Es handele sich um einen inneren Konflikt des Landes.

Den Schutz der Bürger hatte Putin bereits als Argument für russische Soldaten auf der Krim genannt. Nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel im April nutzte er erstmals öffentlich den Begriff "Neurussland" für die östlichen Gebiete der Ukraine. Zur Begründung sagte er, die Ost- und Südukraine hätten einst zu Russland gehört. Beobachter werten dies als Zeichen dafür, dass Putin die staatlichen Grenzen der Ukraine infrage stellt. Russland hatte sich in der Vergangenheit für eine Föderalisierung der Ostukraine ausgesprochen.

Ukrainischer Generalstab bemüht sich um Demonstration der Stärke
H. Jarczyk, ARD Warschau zzt. Kiew
31.08.2014 17:30 Uhr

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Die Separatisten verwenden den Begriff "Neurussland" als Zeichen ihrer angestrebten Abspaltung von der Ukraine. Militante Kräfte gründeten eine "Armee Neurussland". Reporter der Nachrichtenagentur AP sahen im Südosten der Ukraine mindestens ein halbes Dutzend Panzer mit Flaggen der selbst proklamierten autonomen Republik "Neurussland".

Zweiter Hilfskonvoi wartet an Grenze

Unterdessen hat Moskau erneut einen Hilfskonvoi mit etwa 280 Lastwagen losgeschickt. Ziel ist das umkämpfte Gebiet in der Ostukraine. Der Konvoi warte in der Region Rostow auf die Einfahrt in das Krisengebiet Donbass, berichtete das russische Staatsfernsehen. Die Hilfsgüter, darunter Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente, seien mit Zügen angeliefert und dann auf die Lastwagen umgeladen worden, hieß es. Der Zeitpunkt des Grenzübertritts und die Marschroute würden geheim gehalten. Eine Bestätigung der Regierung in Kiew oder von unabhängiger Seite gibt es dafür nicht.

Dieses Foto vom 31. August soll den zweiten russischen Konvoi zeigen, der in der Region Rostow nahe der Stadt Kamensk-Schachtinski wartet. | Bildquelle: AP
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Dieses Foto soll den zweiten russischen Konvoi zeigen, der in der Region Rostow nahe der Stadt Kamensk-Schachtinski wartet.

Die Ukraine hatte sich nach Darstellung der Regierung in Moskau zuvor prinzipiell bereit erklärt, einen zweiten russischen Konvoi auf ukrainisches Territorium zu lassen. Das Außenministerium in Kiew habe sein "grundsätzliches Einverständnis" mit einem solchen "humanitären Hilfskonvoi" übermittelt, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Freitag auf einer Pressekonferenz. Fragen zur Absicherung des Konvois würden zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands, der Separatisten und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geklärt.

Vor anderthalb Wochen hatte der erste Hilfskonvoi aus Moskau Lugansk erreicht. Die Kolonne hatte ohne Einverständnis Kiews der Grenze zur Ukraine überquert. Die Ukraine warf dem Nachbarland daraufhin eine Invasion vor.

Putin verlangt Gespräche über Status der Ostukraine
tagesthemen 23:25 Uhr, 31.08.2014, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Kiew und Moskau tauschen Gefangene aus

Medienberichten zufolge tauschten Russland und die Ukraine am Wochenende gefangene Soldaten aus. Die Ukraine habe Fallschirmjäger überstellt, die auf ukrainischem Gebiet festgenommen worden waren, berichteten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den stellvertretenden Kommandeur der russischen Luftlandetruppen, Alexej Ragosin. Russland ließ demnach 63 ukrainische Soldaten frei, die ebenfalls auf dem Territorium des Nachbarlandes gefasst wurden. Dem Austausch seien schwierige Verhandlungen vorangegangen.

Die Separatisten in der Ostukraine entließen nach eigener Darstellung mehr als 200 Angehörige der Regierungstruppen aus ihrer Gewalt. Die Gefangenen im Gebiet Donezk seien der ukrainischen Seite übergeben worden, teilte die von den militanten Kräften gegründete "Armee Noworossija" (Neurussland) mit. Es handele sich um 223 Soldaten sowie Angehörige der Nationalgarde. Die ukrainsiche Regierung bestätigte die Freilassung bisher nicht.

Die Separatisten teilten mit, dass noch immer an mehreren Orten in dem Konfliktgebiet Stellungen ukrainischer Soldaten umzingelt seien. In der Ortschaft Starobeschewo hätten Angehörige der Nationalgarde versucht, mit Waffen und Technik aus einem Kessel auszubrechen. Bei den Gefechten seien sechs Panzer erbeutet und fast 200 Angehörige der Regierungstruppen entwaffnet worden, hieß es. Sie würden als Kriegsgefangene festgehalten. Bei Kämpfen auch an anderen Stellen habe es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben.

Freiwillige heben in Mariupol Gräben aus, um die Stadt vor einem möglichen Angriff von Separatisten zu schützen. | Bildquelle: dpa
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Freiwillige füllen in der Hafenstadt Mariupol im Süden der Ukraine Sandsäcke auf...

Freiwillige heben in Mariupol Gräben aus, um die Stadt vor einem möglichen Angriff von Separatisten zu schützen. | Bildquelle: dpa
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... und heben tiefe Gräben aus, um die angedrohte Offensive der Separatisten abzuwehren.

Mariupol bereitet sich auf Angriff vor

Zudem kündigten die Separatisten eine weitere Großoffensive gegen die Regierungsarmee an. "Wir bereiten eine zweite große Gegenoffensive vor", sagte Rebellenführer Alexander Sachartschenko der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Seine Truppen seien gut ausgerüstet: "Die ukrainische Armee hat viel Ausrüstung, Munition und haufenweise Trophäen zurückgelassen", berichtete Sachartschenko.

Die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol bereitete sich auf einen erwarteten Angriff der Separatisten vor. Im Osten der Stadt hoben Baufahrzeuge Schützengräben aus, während hunderte Menschen ukrainische Flaggen schwenkten und die Staatshymne sangen. Sachartschenko drohte, die Stadt werde "in naher Zukunft" von den Separatisten erobert werden.

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