Kämpfe in der Ukraine Russland schickt laut USA Panzer
Stand: 14.06.2014 01:52 Uhr
Die USA haben Russland vorgeworfen, den pro-russischen Separatisten im Osten der Ukraine Panzer und Raketenabschussvorrichtungen geliefert zu haben. "Wir schätzen, dass die Separatisten im Osten der Ukraine schwere Waffen und militärische Ausrüstung von Russland erlangt haben, darunter russische Panzer und Raketenwerfer", erklärte US-Außenamtssprecherin Marie Harf.
Die USA hätten Informationen, wonach Russland ausgemusterte Panzer auf einem Stützpunkt im Südwesten zusammengezogen habe und einige dieser Panzer kürzlich den Stützpunkt verlassen hätten. Moskau werde behaupten, dass diese Panzer von der ukrainischen Armee stammten, doch gebe es in der Region keine ukrainischen Panzertruppen, sagte Harf. "Wir sind überzeugt, dass diese Panzer aus Russland kamen."
Zaun und Minen an der Grenze zu Russland?
Bereits am Donnerstag hatte der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko in einem Telefonat seinem russischen Kollegen Wladimir Putin vorgeworfen, russische Panzer über die Grenze in die Ukraine gelassen zu haben. Der Gouverneur der Region Dnepropetrowsk, Igor Kolomojski, schlug vor, die Grenze zwischen der Ukraine und Russland mit einem Elektrozaun zu sichern. Die mit Stacheldraht verstärkte Absperrung sei nötig, um die Ukraine vor Eindringlingen aus dem Nachbarland zu schützen. Angeblich plant er, vor dem Zaun Gräben auszuheben und ferngesteuerte Minen verlegen zu lassen.
Poroschenko äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorhaben. Das Projekt könnte binnen sechs Monaten realisiert werden. Die Kosten in Höhe von hundert Millionen Euro sollen demnach durch Spenden gedeckt werden. Der russland-kritische Oligarch Kolomojski zählt zu den reichsten Männern der Ukraine. Er war im März von der pro-westlichen Führung in Kiew als Gouverneur eingesetzt worden.
Bundesregierung: Schwerwiegende Entwicklung
Die Bundesregierung äußerte sich besorgt über die Berichte zu den Panzern. Sollte sich bestätigen, dass "Panzer und weitere schwere Waffen von Russland aus in die Hände pro-russischer Separatisten gelangt sind, dann wäre das eine schwerwiegende und sehr besorgniserregende Entwicklung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.
Die ukrainische Armee führt derzeit eine Offensive gegen pro-russische Separatisten im Osten des Landes. Kiew wirft Moskau vor, den Aufstand zu unterstützen.
Putin und Barroso einigen sich auf Gespräche
Moskau wirft der Ukraine im Gegenzug vor, mit zwei Panzern auf russisches Gebiet vorgedrungen zu sein. Präsident Putin forderte in einem Telefonat mit EU-Kommissionschef José Manuel Barroso das sofortige Ende der ukrainischen Armeeoffensive im Südosten des Landes. Kiew müsse "unverzüglich seine Militäroperation einstellen", sagte Putin nach Angaben des Kremls.
In dem Telefonat sei zudem vereinbart worden, auf Minister- und Expertenebene über die Vorbereitung eines Assoziierungsabkommens der Ukraine mit der EU zu beraten. Daran sollten Vertreter Russlands, der Ukraine und der EU beteiligt sein, teilte der Kreml mit. Die EU-Kommission teilte ihrerseits mit, Barroso habe Putin angeboten, Russland an den Verhandlungen über das Abkommen zu beteiligen, um etwaige "Bedenken zu beseitigen". Putin habe dieses Angebot angenommen, hieß es. Die EU hatte es bislang abgelehnt, wie von Russland gefordert, gemeinsame Gespräche mit Vertretern Moskaus und Kiews über eine Assoziierung der Ukraine abzuhalten.
Golineh Atai, ARD Moskau, zzt. Kiew, zu den Kämpfen um Mariupol
tagesschau24 17:30 Uhr, 13.06.2014
Ukrainische Armee erobert Mariupol zurück
Unterdessen hat die ukrainische Armee nach eigenen Angaben die Hafenstadt Mariupol aus der Hand pro-russischer Separatisten zurückerobert. Die Lage in der 500.000-Einwohner-Stadt am Schwarzen Meer sei "stabilisiert", sagte Poroschenko.
Die Armee hatte am frühen Morgen Stellungen der pro-russischen Milizen in Mariupol angegriffen. Darauf seien mehrstündige Gefechte gefolgt, bei denen zahlreiche Separatisten getötet und vier ukrainische Soldaten verletzt worden seien, sagte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow. Auf dem Rathaus von Mariupol wehe inzwischen wieder die ukrainische Flagge, erklärte er weiter.
