Ukrainische Armee startet Offensive Neue Kämpfe in Mariupol
Stand: 13.06.2014 15:02 Uhr
Bei schweren Gefechten in der Ukraine haben die Regierungseinheiten nach eigenen Angaben die pro-russischen Separatisten aus dem Zentrum der Großstadt Mariupol vertrieben. Über dem Rathaus wehe die ukrainische Flagge, sagte Innenminister Arseni Awakow.
Die Armee setzte bei den Kämpfen Granatwerfer und gepanzerte Fahrzeuge ein. Mindestens fünf Aufständische seien getötet und vier Soldaten verletzt worden, sagte Awakow weiter: "Die Anti-Terror-Operation begann im Morgengrauen und dauert an." Viele Bürger der Hafenstadt hätten sich in Kellern in Sicherheit gebracht, berichteten örtliche Medien. Zuletzt war es in Mariupol Anfang Mai zu schweren Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und pro-russischen Separatisten gekommen.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ordnete den vorübergehenden Umzug der Gebietsverwaltung von der Separatistenhochburg Donezk, wo zahlreiche Gebäude besetzt sind, ins "befreite" Mariupol an. "Der heldenhafte Kampf der ukrainischen Armee hat die Lage in Mariupol stabilisiert", teilte der Staatschef mit.
Viele Tote bei Donezk?
Bei Kämpfen im Gebiet Donezk erlitten die militanten Gruppen dem Verteidigungsministerium zufolge bedeutende Verluste. So seien bei Stepanowka am Vortag mehr als 40 Separatisten getötet worden. In der Stadt wurden bei der Explosion eines Sprengsatzes drei Menschen getötet und vier verletzt. Unbekannte hatten eine Bombe am Wagen von Separatistenführer Denis Puschilin angebracht, der unverletzt blieb.
Auch an der ukrainischen Grenze zu Russland rückten Regierungseinheiten gegen militante Aufständische vor. Sie brachten nach eigenen Angaben einen rund 120 Kilometer langen Gebietsstreifen unter ihre Kontrolle, den die Grenztruppen dort aufgegeben hatten. Jedoch sei ein rund 184 Kilometer langer Streifen weiter in der Gewalt der Separatisten.
Der Gouverneur von Dnjepropetrowsk, der Milliardär Igor Kolomoiski, schlug den Bau eines 1920 Kilometer langen Elektrozauns mit Stacheldraht und Minen an der gemeinsamen Grenze zu Russland vor. Das rund 100 Millionen Euro teure Projekt sei nötig, um die "aggressive Politik gegenüber der Ukraine" zu stoppen.
Erstes Telefonat zwischen Poroschenko und Putin
Noch wenige Stunden zuvor hatten der neue ukrainische Präsident Petro Poroschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin erstmals in einem Telefonat über die Lage im Osten der Ukraine beraten. Poroschenko unterrichtete Putin bei dem Telefongespräch offenbar von seinen Pläne zur Beruhigung der Lage im Südosten der Ukraine unterrichtet. In dem Gespräch habe sich Poroschenko aber auch über das angebliche Eindringen russischer Panzer auf ukrainisches Staatsgebiet beschwert.
Die Bundesregierung äußerte sich besorgt. "Wenn sich das bestätigt, wäre das allerdings eine schwerwiegende und sehr besorgniserregende Entwicklung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Beobachter verwiesen darauf, dass es sich durchaus auch um erbeutete Panzer aus ukrainischen Beständen handeln könnte.
Russland brachte einen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat ein und warf der Ukraine den Einsatz verbotener Brandbomben vor.
Bereits am Donnerstag hat OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier alle Seiten im Ukraine-Konflikt zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen. "Kämpfe müssen beendet und Verhandlungen begonnen werden", sagte Zannier. Poroschenko hatte versprochen, bis zum Wochenende die Kämpfe zu stoppen, bei denen in den vergangenen zwei Monaten bereits 270 Menschen getötet wurden.
