Nigel Farage | Bildquelle: AFP

UKIP wählt neuen Vorsitzenden Wer führt Großbritanniens Rechte?

Stand: 28.11.2016 01:34 Uhr

In London wählt die UKIP von Brexit-Vorreiter Farage - wieder einmal - einen neuen Vorsitzenden. Denn die letzte Vorsitzende hatte nach nur drei Wochen hingeworfen.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Bei einer Party der Brexit-Kämpfer im Londoner Nobelhotel Ritz ließ sich Nigel Farage vor ein paar Tagen von seinen Anhängern feiern. 2016, jubelte der Rechtspopulist, werde als das Jahr einer großen politischen Revolution in die Geschichte eingehen, so Farage vor seiner Fan-Gemeinde, sei nur der erste Stein gewesen, den die Menschen aus der Mauer des Establishments herausgebrochen hätten.

Grabenkämpfe, Pleite, keine Mitglieder

Viel Zeit hatte der weiter amtierende UKIP-Chef in den vergangenen Wochen nicht, die EU-feindliche Partei zu führen. Denn beschäftigt war Farage damit, sich als Mittelsmann zwischen der konservativen Regierung und "The Donald", dem gewählten US-Präsidenten, zu empfehlen - eine Rolle, die London jedoch strikt ablehnt. Bei UKIP wiederum herrscht trotz - oder wegen - des Brexit-Triumphs seit Monaten Chaos, analysiert Politikprofessor Matthew Goodwin: "UKIP hat viele Probleme, nicht nur die internen Grabenkämpfe: Die Parteikasse ist leer, weil Geldgeber zwar vor dem Referendum gespendet haben, aber jetzt nicht mehr. Und es fehlen junge und aktive Mitglieder."

Diane James, im September von der Basis an die Spitze gewählt, strich nach nur 18 Tagen im Amt die Segel - und hat die Partei inzwischen verlassen. Kurz darauf gerieten zwei Europa-Abgeordnete von UKIP im EU-Parlament in Straßburg aneinander; einer landete im Krankenhaus und kehrte der Partei nach diesen Handgreiflichkeiten ebenfalls den Rücken. Und dann zog der Farage-Vertraute Raheem Kassam - Chefredakteur der rechten Internet-News-Seite Breitbart London - seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurück.

Paul Nuttall
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Favorit für den UKIP-Chefsessel: Paul Nuttall.

Suzanne Evans | Bildquelle: AP
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Aber auch die ehemalige BBC-Journalistin Suzanne Evans macht sich Hoffnungen

Paul Nuttall oder Suzanne Evans

Die Anti-EU-Partei wieder in ruhigeres Fahrwasser steuern will Suzanne Evans: Die ehemalige BBC-Journalistin und frühere Konservative hatte 2015 das UKIP-Wahlmanifest verfasst, sich danach aber mit Farage überworfen, woraufhin die Partei sie für ein halbes Jahr suspendierte. Evans will jetzt vor allem sicherstellen, dass Großbritannien die EU auch wirklich verlässt: Sie fürchtet eine Verschwörung des Establishments, den Brexit doch noch zu verhindern. Evans will die Rechtspopulisten nach den jüngsten Zerwürfnissen einen und für neue Wählerschichten öffnen.

Als Favorit gilt allerdings der Europa-Abgeordnete Paul Nuttall, unter Farage sechs Jahre Vize-Parteichef. Denn Nuttall ist jemand, der vor allem im Norden Englands bisherige Labour-Wähler anspricht. Auch er will die konservative Premierministerin Theresa May unter Druck setzen, damit am Ende keine Miniversion des Brexit herauskommt.

Und: Der Schatten von Nigel Farage ist lang - und dunkel. Sollte der Brexit 2019 noch nicht passiert sein, hat er ein weiteres Comeback nicht ausgeschlossen.

UKIP wählt erneut einen neuen Parteichef
S. Pieper, ARD London
27.11.2016 17:00 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 28. November 2016 um 04:48 Uhr und NDR Info um 09:20 Uhr.

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