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Hunderte Tote, Hunderttausende Obdachlose, zerstörtes Ackerland - das ist die vorläufige Bilanz der seit Jahrzehnten schlimmsten Fluten in Nordwestpakisten. Und Millionen Menschen sind von der Außenwelt abgeschnitten. Das Militär versucht, die Verzweifelten zu retten.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Eine riesige graue Militärmaschine rollt langsam in Startposition. Landen soll sie später in der Nähe der vom Monsunregen verwüsteten Gebiete. Die pakistanische Luftwaffe hat sich in die Rettungsarbeiten eingeschaltet. Eines nach dem anderen verschwinden Rettungsboote im riesigen Bauch der Militärmaschine. Boote, die helfen sollen, Menschenleben im Nordwesten Pakistans zu retten.
[Bildunterschrift: Nach den schlimmsten Überschwemmungens seit Jahrzehnten: Helfer retten einen Jungen nahe der Stadt Multan aus den Fluten. ]
Für den Moment schicke man zehn Boote, 25 weitere würden folgen, sagt der Luftwaffenkommandeur der weit entfernten Militärbasis in Karatschi. "Zusätzlich sind wir darauf vorbereitet, weitere Rettungsmaßnahmen zu ergreifen. Wir können etwa Medizin, Ärzte zur Verfügung stellen." Im Nordwesten wird die Lage derweil immer düsterer: Wegen der heftigen Monsun-Regenfälle sind die Flüsse über die Ufer getreten und zu reißenden und tödlichen Fluten geworden.
"Keiner hat das kommen sehen, keiner war vorbereitet auf derartige Wasser-Massen, die aus den Bergen in die Ebene kamen", erklärte der Chef des Katastophenschutzes in der betroffenen Provinz. "Die Zerstörung der Infrastruktur ist groß. Und auch Menschenleben sind in Gefahr. Millionen Menschen sind immer noch gefangen im Wasser."
[Bildunterschrift: In der betroffenen Region Khyber-Paktoonkhwa ist auch die Infrastruktur massiv beschädigt. ]Hunderte Menschen verloren ihr Leben, Hunderttausende sind obdachlos. Brücken, Mobilfunkmasten, Häuser sind einfach fortgespült worden. Ganze Dörfer stehen unter Wasser. Ackerland ist überflutet - und damit unbrauchbar geworden. Mit Booten, mit Helikoptern versuchen Rettungsteams die Menschen nach und nach aus ihrer ausweglosen Lage zu befreien. Viele haben sich auf die Dächer ihrer Häuser gerettet. Oder an anderen höher gelegenen Stellen vor dem Wasser Zuflucht gesucht.
[Bildunterschrift: Zahlreiche Städte wurden überschwemmt. ]
"Die Menschen sind auf allen Seiten vom Wasser eingeschlossen. Es ist überall, drei Stockwerke hoch steht es in den Häusern", berichtet ein Augenzeuge, der ein Rettungsteam in ein Dorf begleitete: "Die Menschen wissen nicht, wohin sie fliehen sollen. Helikopter der Armee versuchen, die Menschen zu retten, aber auch sie haben Probleme." Die Behörden sprechen bereits jetzt von den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten.
Gerade die Bauern sehnen eigentlich nach langer Trockenperiode ab Mai alljährlich den Monsun-Regen als lebensspendende Kraft herbei. Doch wie so oft in Pakistan, Bangladesch oder Indien kam mit dem Wasser die Zerstörung. Das wahre Ausmaß wird erst klar sein, wenn die Fluten wieder zurückgehen. Doch zunächst ist das kaum zu erwarten: Für die kommenden Tage sind weitere Regenfälle angekündigt.
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