Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Eine Woche lang haben fünf französischsprachige Journalisten abgeschieden in einer Farm gelebt. Ihre einzige Verbindung zur Welt: Twitter und Facebook. Mit den dort verbreiteten Informationen haben sie gearbeitet und festgestellt: Manchmal sind traditionelle Medien schneller.
Von Johannes Duchrow, WDR-Hörfunkstudio Paris
[Bildunterschrift: Rund 5000 User informierten sich auf Facebook über eine vermeintliche Explosion in Lille. ]
Ein Abend in der Twitter-Farm: Bei den fünf Journalisten laufen die Meldungen aus Nordfrankreich im Sekundentakt ein. "In Lille haben wir von einer Explosion erfahren", sagt Janic Tremblay. "Das Netz hat verrückt gespielt. Innerhalb weniger Minuten gab es auf Facebook eine Gruppe mit 5000 Teilnehmern, die wissen wollten, was los ist." Am Ende sei es aber nur ein Flugzeug gewesen, das die Schallmauer durchbrochen habe.
Wer an diesem Abend nur Twitter und Facebook hatte, der musste bis zur Entwarnung zwei Stunden warten. Und: Die Entwarnung kam von einer ganz konventionellen Zeitung, deren Online-Meldung von einem Nutzer ins Twitter-Netz kopiert worden war. Für den Kanadier Tremblay war dieses Ereignis das interessanteste in dieser Woche: "Das zeigt doch etwas: Die Leute sind auf Twitter gegangen, um sich zu informieren. Früher hätte man dafür das Radio oder den Fernseher angemacht. Das ist doch eine interessante Entwicklung."
[Bildunterschrift: Informationen bietet Twitter viele, doch oft fehle die Einordnung, stellten die Journalisten fest. ]
Doch warum wenden sich die Hörer vom dem anerkannten Informationsmedium ab, fragt sich Benjamin Muller von France-Info: "Sicher, die Informationen kann man nicht schnell überprüfen, aber wenigstens hat man hier den Eindruck, Gefühle mit anderen Menschen zu teilen. Mit Menschen aus der Nachbarschaft oder am anderen Ende der Welt."
Der Belgier Nicolas Willems hat nach dieser Woche vor allem zwei Empfehlungen. Die erste: Wer Informationen und vor allem Einschätzungen über Politik oder internationale Entwicklungen braucht, sollte diese nicht bei Twitter oder Facebook suchen: "Bei den Informationen überwiegen die Nachrichten über die Schönen und Berühmten, also "soft news", auch über Kinofilme. Und außerdem geht es um Neue Technik." Da seien Internetgemeinschaften vielleicht die besten Informationsquellen. Zum anderen sei es woanders schneller möglich, sich zu informieren: "Es kostet unglaublich viel Zeit. Es dauert, sich ein gutes Netzwerk von Informanten anzulegen, von denen man weiß, dass sie wirklich zuverlässig in ihrem Gebiet sind. Und sich nur über die neuen Netzwerke zu informieren, das dauert einfach ewig!"
Willems nennt aber auch Fälle, wo Twitter unverzichtbar ist: bei seiner Iran-Berichterstattung zum Beispiel. Allerdings sei auch hier die Quellenpflege wichtig, weil Oppositionsmitglieder genauso twittern wie Geheimdienst und Regierung. "Die sozialen Netzwerke", sagt Willems, blieben für Journalisten jedenfalls weiter eine gute Ergänzung zu Nachrichtenagenturen und Korrespondenten.
Und ganz am Ende der Twitter-Farm-Wochen hat der Belgier Willems noch etwas wieder ins Gedächtnis gerufen bekommen: Französische Landküche ist lecker. Er habe während des Experiments bestimmt ein Kilo zugenommen.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW