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Seit Sonntag sitzen fünf Journalisten auf einem abgeschiedenen Bauernhof in Südwestfrankreich. Dort sind sie von der Welt abgeschnitten, außer von Twitter und Facebook. Die Reporter sollen von dort aus täglich informieren - als säßen sie im Studio in ihrem Sender, allerdings mit völlig anderen Nachrichtenquellen.
Von Johannes Duchrow, WDR-Hörfunkstudio Paris
[Bildunterschrift: Homepage von Twitter ]
Ein luxuriöses Gefängnis, in das die vier Männer und eine Frau gesteckt werden: Es ist ein Bauernhof – irgendwo in Südwestfrankreich. Die fünf Journalisten sollen so wenig wie möglich miteinander reden und nur über die Internet-Dienste Twitter und Facebook eine Verbindung zu anderen Menschen aufrechterhalten. Und: Auf ihrem Heimatsender, also beispielsweise France Info, dem Westschweizer Sender RTS oder Radio Canada, sollen sie erzählen, was sie von ihren Freunden und Kontakten bei beiden Internetportalen erfahren.
Nein, es habe nichts mit "Big Brother" zu tun, betont Francoise Dost, die Generalsekretärin der öffentlichen französischsprachigen Radiosender, es sei ein Experiment, um die hochgejubelten Informationsquellen Facebook und Twitter zu überprüfen. Die sind in Frankreich deutlich erfolgreicher, als bisher in Deutschland.
Benjamin Müller von France Info ist einer von denen, die seit heute Morgen eingeschlossen sind. Vor ein paar Tagen, als er seinen Hörern das Projekt vorstellte, sagte er: "Je mehr Freunde man hat, desto mehr Informationen hat man auch. Aber heute morgen beispielsweise hätte ich nichts über die Streiks im französischen öffentlichen Dienst erfahren, wenn ich nur Facebook und Twitter gehabt hätte."
Alle fünf Journalisten haben schon vorher mit diesen sozialen Netzwerken im Internet gearbeitet. Der belgische Auslandsberichterstatter Nicolas Willems nennt den Iran als ein typisches Beispiel für ein Land, in dem die kurzen Texte, die Oppositionelle per SMS zu Twitter schicken, für gute, unabhängige Information sorgen: "Ich gehe jetzt völlig offen in das Projekt und bin vor allem neugierig! Vielleicht werden wir nach fünf Tagen feststellen, dass wir nur sehr eingeschränkt berichten konnten. Vielleicht aber entdecken wir auch eine neue Arbeitsweise und werden positiv überrascht sein."
In Frankreich schauen alle Medien auf das Experiment. Viele Fernsehsender wollten die Journalisten bei ihrer Arbeit filmen. Dost gibt zu, dass sie von dem Interesse völlig überrascht war. Ihren Radiosendern sei es doch nur um eine berufliche Frage gegangen. Jetzt hat sie eine totale Nachrichtensperre verhängt und verrät nur soviel: "Sie werden gut ernährt werden auf diesem Bauernhof, der im Sommer Touristen beherbergt. Wir hatten sogar überlegt - das wäre noch preiswerter geworden - sie einfach irgendwo einzuschließen – sogar in Containern hier im Hof von RadioFrance. Aber dann hätten wir Mittag- und Abendessen organisieren müssen… Jetzt ist alles gut: Sie haben ein Dach über dem Kopf, wir verraten nur die Adresse nicht."
Die Adresse wird am Freitag verraten. Die fünf Journalisten werden dann auch alle Tageszeitungen bekommen, die sie in dieser Woche verpasst haben. Dann sollen sie vergleichen. Das, was SIE in dieser Woche über Twitter und Facebook erfahren haben und das, was die Kollegen tatsächlich recherchiert haben – mit Hilfe der üblichen Informationen aus Agenturen, Zeitungen und Fernsehen.
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