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[Bildunterschrift: Twitter löste mit seiner Ankündigung heftige Proteste aus. ]
Der Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter steht wegen der angekündigten Unterdrückung von Textnachrichten in einzelnen Ländern in der Kritik. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" sprach von "einer Art der Zusammenarbeit mit Zensoren". Es sei "eine schlechte Nachricht für die Meinungsfreiheit". In einem Schreiben an Twitter-Geschäftsführer Jack Dorsey wurde das Unternehmen aufgefordert, die Entscheidung wieder zurückzunehmen. Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei drohte: "Wenn Twitter zensiert, dann höre ich auf zu twittern."
Im Internet riefen einzelne Nutzer dazu auf, den Kurzmitteilungsdienst zu boykottieren. Andere forderten Twitter auf, die Ankündigung wieder zurückzunehmen. Kritik kam vor allen von Bloggern aus arabischen Ländern, in denen Twitter während der Revolutionen seit Beginn des Arabischen Frühlings eine wichtige Rolle spielt. Das Technik-Blog des Magazins "Forbes" schrieb sogar: "Twitter begeht sozialen Selbstmord".
Bislang konnte Twitter Kurzmitteilungen nur generell löschen. Nun ist das Unternehmen nach eigenen Angaben in der Lage, auch Mitteilungen in einzelnen Ländern so zu blockieren, dass die dortigen Nutzer sie nicht lesen können. In anderen Staaten seien die jeweiligen Inhalte weiterhin verfügbar.
In seinem Blog begründete das Unternehmen das Vorgehen damit, dass es weltweit sehr unterschiedliche Vorstellungen von Meinungsfreiheit gebe. In einigen Staaten seien die Unterschiede im Vergleich zum Verständnis von Twitter so gravierend, dass das Angebot dort nicht existieren könne. In anderen Ländern gebe es bestimmte Einschränkungen aus historischen und kulturellen Gründen. Als Beispiel dafür nannte der Konzern das Verbot der Verbreitung von "pro-Nazi-Inhalten" in Deutschland und Frankreich. Auf solche rechtlichen Schranken könne Twitter nun gezielt für jedes einzelne Land reagieren.
Manche Beobachter vermuten, bei seiner Entscheidung habe Twitter vorrangig eigene Marktanteile in Ländern mit fehlender oder eingeschränkter Meinungsfreiheit im Blick. Das Unternehmen könne sich mit den Filterwerkzeugen einen einfachen Zugang zum chinesischen Markt erschließen, wo viele Dienste bereits wegen kritischer Meinungen abgeschalten wurden.
Twitter stellte nach den heftigen Reaktionen auf die Ankündigung klar, dass keine Mitteilung von vornherein einer Sperre unterliege. Vielmehr werde eine mögliche Unterdrückung erst nach einem entsprechenden Hinweis geprüft und möglicherweise vorgenommen. "Wir versuchen, Inhalte zu bewahren, wann und wo immer es uns möglich ist", erklärte das Unternehmen. Twitter versprach zugleich Transparenz und will den Betroffenen anzeigen, warum sie Inhalte in ihrem Land nicht sehen können. Unternehmenssprecher machten zudem deutlich, dass die Herkunft des jeweiligen Nutzers im Zweifelsfall über die Ländereinstellung im jeweiligen Nutzerprofil festgestellt werden soll. Dies eröffnet eine Möglichkeit, die länderspezifischen Blockaden relativ leicht zu umgehen.
Der Kurznachrichtendienst Twitter, über den 140 Zeichen lange Meldungen verschickt werden können, wurde 2006 gegründet. Twitter zählt rund 100 Millionen aktive Nutzer. Das Angebot zählt zu den beliebtesten sozialen Netzwerken.
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