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29.05.2012

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Ausland
RAI streicht deutsche TV-Folge wegen schwulen Pärchens
RAI setzt deutsche TV-Folge ab

"Um Himmels Willen" - das geht zu weit

Ein schwules Pärchen will heiraten - und das im italienischen Fernsehen? Das ist dann doch zu viel, denn Homo-Ehen sind in Italien nicht erlaubt. Und so strich der Sender RAI Uno die Folge 125 der beliebten deutschen TV-Serie "Um Himmels Willen" einfach aus dem Programm.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Das italienische Staatsfernsehen hat eine Folge der ARD-Serie "Um Himmels Willen" aus dem Programm genommen, weil es darin um die Hochzeit eines homosexuellen Paares geht. In Italien gibt es anders als in Deutschland keine "eingetragenen Partnerschaften". Die Abgeordnete Anna Paola Concia nennt die Absetzung der Folge eine "Zensur der Wirklichkeit".

Es ist eine der populärsten Serien im deutschen Fernsehen und auch in Italien erfreut sich "Um Himmels Willen" größter Beliebtheit. Am Dienstagvormittag sollte die achte Folge der 10. Staffel in RAI Uno laufen. Zwei Männer dürfen mit dem Segen von Schwester Hanna in der Kapelle des Klosters den Bund fürs Leben schließen.

(v.l.n.r.) die Ordenschwestern Agnes (Emanuela von Frankenberg), Lela (Denise M'Baye), Maria (Julia Heinze) und Hanna (Janina Hartwig) (Foto: ARD/Barbara Bauriedl) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Nonnen vom Kloster Kaltenthal: (v.l.n.r.) die Ordenschwestern Agnes (Emanuela von Frankenberg), Lela (Denise M'Baye), Maria (Julia Heinze) und Hanna (Janina Hartwig) ]

"Eine Zensur der Wirklichkeit"

So weit, so harmlos - zumindest für deutsche Verhältnisse, wo spätestens seit der "Lindenstraße" homosexuelle Partnerschaften im Fernsehen kein großes Aufsehen mehr erregen. In Italien ist das anscheinend anders. Die RAI nahm die Folge aus dem Programm, "um jede Polemik zu vermeiden", wie es in einer nachgereichten Mitteilung heißt. Anna Paola Concia, Abgeordnete der oppositionellen Demokratischen Partei im italienischen Parlament, ist entsetzt: "Die RAI betreibt hier eine Zensur der Wirklichkeit. Vor allem, weil es ja schon etliche Filme über homosexuelle Beziehungen im Fernsehen gab."

Bürgermeister Wolfgang Wöller (Fritz Wepper) und sie Nonne Hanna (Janina Hartwig) (Foto: ARD/Barbara Bauriedl) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Am Ende jeder Folge stehen sich Wolfgang Wöller (Fritz Wepper) und Schwester Hanna (Janina Hartwig) genau gegenüber. ]
Concia ist die einzige Abgeordnete in Italien, die offen zu ihrer Homosexualität steht. Vergangenen Monat schloss sie mit ihrer deutschen Partnerin den Bund fürs Leben. Eine eingetragene Partnerschaft in Frankfurt am Main. In Italien gibt es diese Möglichkeit nicht, berichtet Concia: "Wir haben Tausende Briefe bekommen von ganz normalen Italienern - katholisch, nichtkatholisch, heterosexuell -, die uns beglückwünscht haben. Es gibt da einen Riesenunterschied zwischen dieser Regierung und den Menschen im Land, die sind viel weiter."

Homoehe - in Italien verfassungswidrig

Die Mitte-Rechts-Regierung von Silvio Berlusconi macht Italien zu einem der letzten Länder Europas, in dem homosexuelle Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt werden. Familienstaatssekretär Carlo Giovanardi lässt keine Gelegenheit aus, gegen schwule und lesbische Paare zu polemisieren.

Zuletzt erregte eine IKEA-Werbung seinen besonderen Zorn. Da sieht man zwei Männer und darunter den Satz: Wir sind offen für alle Familien. Giovanardi stellte klar: "Die Homoehe gibt es vielleicht in drei oder vier Ländern auf der Welt. Bei uns wäre das verfassungswidrig."

Der scheinheilige Moralapostel

Das Kunstwerk "Silvio & Ruby" von Dodi Reifenberg (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Berlusconi und Party-Girl Ruby als Kunstwerk ]
Natürlich: In Italien spielt die katholische Kirche eine besondere Rolle. Vor allem sie wehrt sich gegen jede Legalisierung homosexueller Partnerschaften und findet in Silvio Berlusconi einen treuen Verbündeten. Eine scheinheilige Allianz mit einem Ministerpräsidenten, der sonst wenig von der katholischen Morallehre hält, sagt Anna Paola Concia: "Wir sind auf dem absteigenden Ast - auch was das betrifft", meint die Abgeordnete leicht frustriert.

Stand: 08.09.2011 10:41 Uhr
 

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