Seitenueberschrift
Obama setzt auf die Fehler seines Herausforderers
Die Strategie "Romney gegen Romney"
Für die US-Republikaner ist der Wahlkampf 2012 reich an Tiefpunkten. Nach den peinlichen Fehltritten ihres Spitzenkandidaten Romney starten am Mittwoch die Fernsehduelle zwischen ihm und Amtsinhaber Obama. Und der muss vorerst eigentlich nichts machen, als Romney reden zu lassen.
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
Für Mitt Romney ist dieser Wahlwerbespot seines Gegners der absolute Albtraum: Barack Obama meldet sich darin nur kurz zu Beginn zu Wort und bestätigt, dies sei seine Wahlwerbung.
Und dann überlässt er zu 100 Prozent seinem Kontrahenten Mitt Romney das Wort. Zu hören ist der Auszug aus der heimlich gefilmten Rede, in der Romney 47 Prozent der Amerikaner in die Nähe von sich selbst bemitleidenden Sozialschmarotzern rückt, die ohnehin Obama wählen würden. Und um die zu kämpfen sich daher nicht lohne.
Obama lässt in dieser Wahlwerbung Romney sich sozusagen selber politisch erledigen. Nach der Devise: Keiner kann den Herausforderer besser und effektiver demontieren als dieser sich selbst. "Romney gegen Romney", heißt diese Obama-Strategie.
"Schwierige Phase"
Den Wahlwerbespot hat die Obama-Kampagne in acht entscheidenden Bundesstaaten geschaltet- unter anderem in Colorado, wo am Mittwoch das erste TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten stattfindet. "Romney hat eine schwierige Phase hinter sich", gibt der prominente Republikaner Chris Christie zu.
In allen nationalen Umfragen liegt Obama deutlich vorn. Und vor allem in den wichtigen Wechselwählerstaaten wie Ohio, Pennsylvania und Florida hat Romney das Nachsehen. Doch sein Parteifreund Christie setzt auf das Prinzip Hoffnung.
Auge in Auge: Amerika wartet auf das erste TV-Duell
R. Sina, WDR Washington
01.10.2012 12:46 Uhr
Hoffen auf einen brillanten Romney
Die große Hoffnung für die seit langem an Romney zweifelnden und zunehmend verzweifelnden Republikaner ist das erste TV-Duell Romneys gegen Obama an der Universität von Denver. 4000 Journalisten werden berichten und schätzungsweise 60 Millionen Amerikaner vor dem Fernseher sitzen, doppelt so viele wie bei den Parteitagen der Republikaner und Demokraten.
"Wir haben mit Romney einen Kandidaten, der sich Mittwochnacht hervorragend schlagen wird", prophezeit vollmundig Republikaner Christie. Und schon am Morgen danach werde das Rennen ganz anders aussehen.
Denn niemals sei Romney stärker, als wenn er scheinbar politisch bereits ausgeschaltet sei. Das habe sich in den harten Vorwahlkämpfen mit seinen parteiinternen Konkurrenten gezeigt. Und das werde sich jetzt auch im Duell mit Obama erweisen. "Das sind Romneys Sternstunden, und er wird Mittwochnacht einen Superjob machen", versucht Christie den Republikanern Mut zuzusprechen.
"Letzte Chance" für den Herausforderer
Romney ist angesichts seiner schlechten Umfragewerte klar, dass diese TV-Debatte seine letzte Chance ist, eine Trendwende einzuleiten. Seit August 2011 bereitet er sich auf diesen Fernsehzweikampf mit Obama vor, so lange und so intensiv wie kein anderer republikanischer Präsidentschaftsbewerber vor ihm.
Den Schauplatz der Debatte hat er nachbauen lassen, ganze Beraterstäbe haben die besten Angriffs- und Verteidigungsformeln ausgebrütet. "Ich höre mir viele Ratschläge an, aber letztlich werde ich einfach an meiner Botschaft festhalten, dass ich der bessere Arbeitsplatzbeschaffer bin." Doch letztlich weiß auch Romney, dass in den USA selten ene Wahl durch ein Fernseh-Duell entschieden wurde.
Stand: 01.10.2012 20:25 Uhr
