Die beiden Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron | Bildquelle: AFP

TV-Duell in Frankreich Verbalgemetzel kurz vor der Schicksalswahl

Stand: 04.05.2017 13:22 Uhr

Das TV-Duell der französischen Präsidentschaftskandidaten Macron und Le Pen wirkte für manche eher wie ein Gemetzel denn wie eine sachliche Debatte. Beide Lager sehen ihre Kandidaten vorn. Die Umfragen sehen das jedoch anders.

Von Sabine Wachs, ARD-Hörfunkstudio Paris

Es war ein permanenter und unerbittlicher Schlagabtausch, das große TV-Duell der beiden Kandidaten um das französische Präsidentschaftsamt. Gut zweieinhalb Stunden attackierte und beschimpfte Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National den Gegenkandidaten Emmanuel Macron. Und auch der Sozialliberale sparte nicht mit Angriffen.

Eine Blitzumfrage unter 1300 TV-Zuschauern nach dem Duell sah Macron als den klaren Sieger. Diesen Status aber reklamiert natürlich auch das Lager von Marine Le Pen für sich.

Das letzte große TV-Duell sei eher ein Gemetzel als eine sachliche Debatte gewesen. Das titelte die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro". Das sieht auch Benjamin Griveaux, Sprecher des sozial-liberalen Emmanuel Macron so. Die Schuldige ist für ihn ganz klar Marine Le Pen: "Seit einen halben Jahr beleidigt, beschimpft, verleumdet und lügt Madame Le Pen. Und gestern Abend ist sie sich treu geblieben. Sie hat die immer gleichen Register gezogen." Das aber sei nicht das, was die Franzosen erwartet haben, so Griveaux. Und das sei auch nicht das, was das Land verdient habe.

Verachtung für den Gegenüber

Der Ton in der mehr als zweieinhalbstündigen Fernsehdebatte zwischen den beiden Bewerbern für das französische Präsidentschaftsamt war mehr als harsch. Streckenweise schien es beiden allerdings weniger um Argumente zu gehen, als darum, dem Fernsehzuschauer die Verachtung für die Person des Gegenübers deutlich zu machen.

Dieser Ton, sagt Le Pen, den die Kandidatin des rechtsextremen Front National selbst von Anfang an angeschlagen hatte, sei allerdings absolut nötig gewesen: "Es ist das erste Mal, dass zwei Kandidaten in der Debatte sind, die in ihren Wahlprogrammen gegensätzlicher nicht sein könnten. Vielleicht hat das auch zu diesem scharfen Ton beigetragen. Aber es ist wichtig, die Franzosen aufzuwecken." Le Pen sagte, sie könne "dieses Schlaflied" nicht mehr hören. Sie wolle nicht, dass sich das französische Volk einlullen lasse.

Nur wenig überzeugend

Das Lager Le Pens sieht sie klar als Gewinnerin der TV-Debatte, auch wenn die Umfragen etwas anderes sagen. Nur 34 Prozent der Zuschauer fanden Le Pen tatsächlich überzeugend. Was auch daran liegen mag, dass sie zu ihrem eigentlichen Wahlprogramm außer in puncto Terrorismusbekämpfung und innere Sicherheit nur wenig sagte.

Das sei völlig normal, sagt Front-National-Sprecher Nicolas Bay. Die meisten Themen seien ja schon im Wahlkampf ausführlich erläutert worden. Le Pen ändere ihr Wahlprogramm ja nicht kurz vor der Stichwahl. Sie sei ehrlich und aufrichtig mit den Franzosen und konstant. "Im Gegensatz zu Emmanuel Macron, der ist nicht konsequent. Er sagt, er will die Franzosen verteidigen, dabei ist sein Wahlprogramm desaströs für die meisten unsere Mitbürger“, so Bay.

Diskutieren, Lügen aufdecken

60 Prozent der zuschauenden Mitbürger fanden, dass Macron die deutlich bessere Figur im TV Duell machte. Im Gegensatz zu Jacques Chirac im Jahr 2002 stellte er sich der Debatte mit der Front-National-Kandidatin, denn er, das bekräftigte er auch nach dem heftigen Schlagabtausch, sei der Meinung, man müsse mit dem FN diskutieren, nur so könne man Lügen aufdecken. Obwohl - und auch das gab Macron zu - es für ihn kein allzu gutes Gefühl war an dem Abend.

Macron sagte: "Wenn sie sich den ganzen Abend beschimpfen lassen, gewinnen sie wenig. Die Worte haben schon ein Gewicht, weil es Menschen gibt, die nicht überprüfen werden, ob das alles stimmt. Die hören, ich bin ein Agent des Zentralrats der Muslime, der Deutschen, der Finanzen. Am Ende prägt sich das schon ein."

16,5 Millionen Franzosen haben die Debatte live verfolgt - was sich nach viel anhört. Es ist allerdings das zahlenmäßig schwächste Duell der letzten zehn Jahre. Im Jahr 2007, als Nicolas Sarkozy und die sozialistische Segolène Royal debattierten, schauten 20 Millionen Franzosen zu.

Wer ist der Gewinner des TV-Duells? Reaktionen
S. Wachs, ARD Paris
04.05.2017 12:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Mai 2017 um 12:00 Uhr.

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