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Duell der US-Vizekandidaten Biden und Ryan
Insgesamt ein Unentschieden
Mit Stolz haben die US-Präsidentschaftskandidaten, Obama und Romney, das TV-Duell ihrer Stellvertreter verfolgt. Auch dem Zuschauer gefiel die Show: Biden und Ryan diskutierten lebhafter und aggressiver als Obama und Romney. Ein Schlagabtausch auf hohem Niveau.
Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington
US-Präsident Barack Obama verfolgte die Debatte an Bord der Air-Force One auf dem Rückflug von einem Wahlkampfauftritt: "Joe Biden hat das hervorragend gemacht", lobte der Präsident seinen Vize, "ich könnte nicht stolzer auf ihn sein!" So wie Obama dürfte es vielen Demokraten gegangen sein: Große Erleichterung, dass Biden nach dem schwachen Auftritt des Präsidenten im ersten Fernsehduell in die Offensive ging: "Bidens Mission war es, Paul Ryan anzuklagen", freute sich der frühere Berater von Präsident Clinton, Paul Begala, "und er sollte den Demokraten neuen Schwung geben."
Doch auch die Republikaner waren begeistert über den Auftritt von Ryan. Er sei stolz auf seine Nummer zwei, sagte Romney. Vor allem in den außenpolitischen Themen habe Ryan unerwartet viel Kompetenz bewiesen, lobte der republikanische Berater Alex Castellanos. Und eine der unabhängigsten und glaubwürdigsten Stimmen in der amerikanischen Politik, David Gergen, der sowohl für Reagan als auch für Clinton gearbeitet hat, kam zum Gesamturteil: "Unentschieden, was den Inhalt betrifft! - Stilistisch hat Ryan gewonnen."
US-Wahlkampf: Heftiger Schlagabtausch der Vizekandidaten
tagesthemen 21:45 Uhr, 12.10.2012, Stefan Niemann, ARD Washington
Insgesamt ein Unentschieden - das sagen auch die Blitzumfragen nach dem Duell: In einer CNN-Umfrage sahen 48 Prozent Ryan als Gewinner, knapp vor Biden mit 44 Prozent. In einer Umfrage des Senders CBS unter den noch unentschiedenen Wählern lag dagegen Biden mit 50 Prozent vor Ryan mit 31 Prozent.
Schlagabtausch auf hohem Niveau
Einigkeit herrschte bei allen Kommentatoren, dass die Vize-Debatte deutlich lebhafter war als das Duell Obama gegen Romney vor einer Woche. Von Beginn an kam es zu einem Schlagabtausch auf hohem Niveau. Ryan warf der US-Regierung vor, den Anschlag in Libyen trotz vorheriger Warnungen nicht verhindert zu haben: "Was wir im Fernsehen sehen, ist die Auflösung der Außenpolitik Obamas." "Bei allem Respekt!", konterte Biden, "das ist doch ein Haufen Blödsinn!"
Gerade Ryan habe als Vorsitzender des Haushaltsausschusses das Budget für Sicherheitsmaßnahmen der Botschaften um 300 Millionen Dollar gekürzt. Auch bei den Themen Wirtschaft, Steuern und Gesundheitsversorgung griff Biden die Politik der Republikaner frontal an. Sie habe doch dem Land die Probleme erst eingebrockt. Präsident Obama habe General Motors gerettet, sagte Biden: "Romney dagegen hat sich nicht um die Autoindustrie gekümmert. Er hat einfach gesagt, lass sie doch bankrott gehen!"
Doch Ryan war ebenso gut vorbereitet wie Romney vor einer Woche. Und schlagfertig dazu: Als Biden Romneys peinliche Äußerung ansprach, dass 47 Prozent der Amerikaner Sozialschmarotzer sind, gab Ryan den Ball zurück: "Der Vizepräsident weiß, dass die Worte manchmal nicht richtig aus dem Mund kommen!", sagte Ryan in Anspielung auf die bekannte Schwäche Bidens, sich gerne verbal zu vergaloppieren.
Biden und Ryan stellen sich TV-Duell
M. Ganslmeier, NDR Washington
12.10.2012 08:10 Uhr
Biden quittierte die Äußerungen seines 27 Jahre jüngeren Gegenüber oft mit Kopfschütteln oder höhnischem Gelächter. Häufig fiel er Ryan ins Wort - der aber wehrte sich: "Ich weiß, Sie stehen unter großem Druck, Boden gutzumachen", sagte Ryan.
"Biden war sicher die dominante Stimme des Abends", schreibt die Washington Post, "aber manchmal war sein Ton zu herablassend." Doch die New York Times lobt die Aggressivität des Vizepräsidenten: "In eine Minute packte er drei Attacken, die Obama in ganzen Duell gegen Romney nicht ansprach."
Auch wenn das Vize-Duell kurzweilig war - in der Vergangenheit hatte es wenig Einfluss auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl. Um so wichtiger wird nun die nächste Debatte zwischen Obama und Romney am 16. Oktober.
Stand: 12.10.2012 18:57 Uhr
