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Biden und Ryan während der TV-Debatte

Duell der Vizekandidaten in den USA

Biden und Ryan streiten ohne Bandagen

Die Kandidaten für das US-Vizepräsidentenamt haben sich eine engagierte TV-Debatte geliefert, die großen Einfluss auf den Wahlkampf haben könnte. Während Vizepräsident Joe Biden versuchte, die Politik von Präsident Barack Obama zu verteidigen, griff der republikanische Herausforderer, Paul Ryan, die Politik Obamas scharf an.

Bereits am Beginn der Debatte am Centre College in Danville im Bundesstaat Kentucky wurden die großen Streitpunkte in der Außenpolitik deutlich. Der Kongressabgeordnete Ryan warf der Obama-Regierung vor, den Iran nicht effektiv an der Entwicklung und dem Bau von Atomwaffen zu hindern. Dessen Präsidentschaft seien in dieser Hinsicht vier verlorene Jahre gewesen.

Biden (li.) und Ryan begrüßen sich vor Beginn der TV-Debatte
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Die Begrüßung war freundlich. Danach lieferten sich Biden (li.) und Ryan einen harten Schlagabtausch.

Dagegen pries Biden die außenpolitischen Erfolge Obamas. Dieser habe das Land mit "ruhiger Hand und klarer Vision" geführt. Die Sanktionen gegen Iran seien effektiv und die Warnungen der Republikaner übertrieben. Zwar habe die Urananreicherung zugenommen, von dem Bau einer Atombombe sei Teheran aber weit entfernt.

Außerdem habe der Präsident sein Versprechen gehalten, den Krieg im Irak zu beenden und eine klare Perspektive für einen Abzug aus Afghanistan geschaffen. Der Vizepräsident erinnerte auch an die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Landen bei einem US-Kommandoeinsatz in Pakistan.

Waren Sicherheitsvorkehrungen in Libyen unzureichend?

Ryan warf der Regierung vor, den US-Botschafter in Libyen, Chris Stevens, nicht ausreichend geschützt zu haben. Aufgrund des Jahrestages der Anschläge am 11. September 2001 und der instabilen Sicherheitslage in dem nordafrikanischen Land hätten US-Marines Stevens während dessen Besuchs in Bengasi schützen müssen. Stevens war zusammen mit drei weiteren Amerikanern getötet worden. Biden wies diese Vorwürfe zurück. Die Geheimdienste hätten keine Sicherheitsbedrohungen gemeldet, der Angriff auf das US-Konsulat habe nicht erahnt werden können.

TV-Duell der Vizekandidaten Biden und Ryan
ARD-Morgenmagazin, 12.10.2012, Karin Dohr, ARD Washington

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Schlagabtausch über Steuerpolitik

Im Gegensatz zu Obama griff Biden die Pannen des republikanischen Wahlkampfs während der Debatte mehrfach auf. So erinnerte er an Romneys umstrittene Aussage über die "47 Prozent" der Wähler, die keine Steuern zahlten und wegen ihrer Abhängigkeit vom Staat ohnehin für Obama stimmen würden. "Diese Leute sind meine Mutter und mein Vater, meine Nachbarn", bemängelte der Vizepräsident. "Sie zahlen mehr Steuern als Gouverneur Romney."

Außerdem warf Biden dem gegnerischen Lager eine sozial ungerechte Steuerpolitik vor. "Sie nehmen die Mittelschicht als Geisel, um die Steuern für die Superreichen zu senken", so der Vizepräsident. Unter Präsident Barack Obama würde dagegen der wohlhabendste Teil der US-Bevölkerung "etwas mehr zahlen", um die Mittelschicht zu entlasten und dem Land aus der Krise zu helfen.

Ryan entgegnete, dass die republikanischen Steuerpläne zu mehr Wachstum und Arbeitsplätzen führen würden. Zugleich bestritt er, dass die Steuerlast der Reichen sinken werde, da Romney Schlupflöcher im Steuerrecht schließen werde. Konfrontiert mit den abwertenden Aussagen Romneys über die "47 Prozent", betonte Ryan die persönliche Wohltätigkeit Romneys, der mehr spende, als Biden und er selbst zusammen.

Emotionaler Biden, ruhiger Ryan

Ein Plakat bewirbt die Debatte der Vizepräsidenten in Danville, Kentucky.
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Ein Plakat bewirbt die Debatte der Vizepräsidenten in Danville, Kentucky.

Vizepräsident Biden agierte während des Streitgesprächs deutlich emotionaler als sein jüngerer Herausforderer, der den Ausführungen seines Kontrahenten meist lächelnd zuhörte. Biden unterbrach Ryan mehrfach, schüttelte den Kopf und lächelte abfällig. Offenbar wollte er keinesfalls so passiv wirken, wie Präsident Obama während seines ersten TV-Duells mit Mitt Romney. Mehrfach behauptete Biden, Ryan würde Fakten verdrehen und "Quatsch" erzählen. Am Ende der Debatte verhaspelte er sich häufiger und wirkte zeitweise fahrig.

Dagegen präsentierte sich Ryan während der ganzen Debatte sehr konzentriert. Er formulierte klar und meist unaufgeregt, bei seiner Schlussbemerkung wandte er sich direkt an die Wähler und warb um ihre Stimme. Insgesamt sprach Ryan rund eine Minute kürzer als Biden, der am Ende auf eine Netto-Redezeit von 41,32 Minuten kam.

Größerer Erfolgsdruck für Biden

Das Aufeinandertreffen der Kandidaten für das Vizepräsidentenamt war in den USA mit noch größerer Spannung erwartet worden als sonst. Die Präsidentschaftswahl in den USA ist laut verschiedener Umfragen wieder offen, seit sich Obama während des ersten TV-Duells schlecht geschlagen hatte. Darum lastete etwa vier Wochen vor der Wahl noch größerer Erfolgsdruck auf Biden.

Rund 600 Zuschauer verfolgten die Debatte direkt im Centre College in Danville. Sie mussten sich leise verhalten - durften zum Beispiel weder klatschen, noch die Äußerungen laut kommentieren. Millionen von Bürgern verfolgten das Duell vor dem Fernseher.

Stand: 12.10.2012 05:02 Uhr

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