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TV-Duell der Vizekandidaten
Unterschiedlicher könnten sie nicht sein
Im heutigen TV-Duell werden sie sich gegenüberstehen: der derzeitige Vizepräsident Joe Biden und der republikanische Herausforderer Paul Ryan. Die letzte Debatte entschied Romney für sich. Nun wird sich zeigen, ob der Scharfmacher Ryan an den Erfolg seines Teamkollegen anknüpft.
Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington
Es lastet mehr Spannung auf der Debatte in Danville im US-Staat Kentucky als üblicherweise beim Aufeinandertreffen der Kandidaten für das Vizepräsidentenamt der Vereinigten Staaten. Doch die Präsidentschaftswahl in den USA ist wieder offen. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney hat in Meinungsumfragen zu Präsident Obama aufgeschlossen - dank seines guten Auftritts bei der ersten Präsidentschaftsdebatte. Diesen Schwung will der erfahrene gegenwärtige Vizepräsident Joe Biden brechen. Genauso wie sein Herausforderer Paul Ryan ist Biden seit Tagen abgetaucht. Beide bereiten sich gründlich auf den zu erwartenden Schlagabtausch vor.
36 Jahre im US-Senat vs. 14 Jahre im US-Repräsentantenhaus
So unterschiedlich ihre Persönlichkeiten auch sind: Biden, der Senior - mit 36 Jahren Senatserfahrung und bereits seit vier Jahren Vizepräsident - und der jugendlich wirkende Ryan - seit 14 Jahren im US-Repräsentantenhaus und dort Vorsitzender des mächtigen Haushaltsausschusses. Jetzt im Wahlkampf sind sie beide Angreifer, die kein gutes Wort für die jeweils andere Partei übrig haben.
Der Scharfmacher Ryan
Das amerikanische Publikum wartet bereits gespannt auf den Auftritt des Scharfmachers Ryan. "Die Rolle einer Regierung ist nicht, wie Präsident Obama glauben machen möchte, dass sie reguliert, definiert und Rechte zuteilt, um dann hinterher alles gleich zu machen.", lautet etwa ein harter Vorwurf des Republikaners. In der Politik Obamas sieht Ryan - wie viele Erzkonservative in der USA - Parallelen zu Europa. Und das gehe nicht gut aus, wie er mit ernstem Blick hinzufügt.
Danville-Kentucky - ein Städtchen im Vizepräsidentenrausch
R. Paulert, WDR Washington
11.10.2012 17:48 Uhr
Die Duellanten zielen auf die Schwachpunkte ihrer Gegner
Vizepräsident Biden, hingegen, greift im Wahlkampf gern die Steuerpolitik des republikanischen Teams an. Wenn Romney seinen Steuerplan umsetzen könne, würde dies, so der Demokrat, für Mittelschichtfamilien und deren Kinder zusätzliche Steuern in Höhe von 2000 Dollar bedeuten.
Steuerfragen und die Gesundheitspolitik, aber auch Außen- und Gesellschaftspolitik werden bei der einzigen Debatte der beiden Vizepräsidentenkandidaten heute Abend im Vordergrund stehen. Ryan wird versuchen mit seinen Haushaltskenntnissen zu punkten, über die er auch Einblick in viele andere Felder hat, etwa in die Rüstungspolitik. Biden wiederum wird sicher Ryans totale Ablehnung der Abtreibung - selbst bei Lebensgefahr für die Mutter und nach Vergewaltigungen - thematisieren. So will er darauf hinweisen, dass selbst der Konservative Mitt Romney von seinem erzkonservativen Vize-Kandidaten noch rechts überholt wird.
Die Vizekandidaten sind nicht fehlerlos
Dabei ist dies alles nicht ohne Risiko. Biden ist immer in der Gefahr, sprachlich einen schweren Fehltritt zu begehen. Zudem dürfe er nicht so sehr seine große Erfahrung ausspielen, wovor Maria Cardona warnt - eine demokratische Wahlkampfhelferin. "Biden muss ein bisschen darauf achten, dass er nicht wie ein Kampfhund auf den jüngeren Ryan losgeht", sagt Cardona.
Paul Ryan wiederum könnten zu viele Zahlen zum Verhängnis werden, so Ron Bonjean, der für die Republikaner Strategien entwickelt. Die Zuschauer sollten nicht das Gefühl haben, bei einer Anhörung des Haushaltsausschusses Zahlenanalysen präsentiert zu bekommen.
Das TV-Duell findet zur besten Fernsehzeit statt
Im Theater des Centre College von Danville in Kentucky werden sich Paul Ryan und Joe Biden die Argumente heute Abend um die Ohren hauen. Rund 600 Zuschauer werden die Debatte direkt verfolgen. Doch richten werden sich beide an die Millionen, die zur besten Fernsehzeit in den USA zuschauen werden. In Deutschland ist es dann bereits 03.00 Uhr morgens.
Eines aber haben sich wohl Biden und Ryan vorgenommen. Keiner von ihnen möchte wie Präsident Obama am nächsten Tag sagen müssen, dass er wohl zu höflich gewesen wäre und einen schlechten Abend gehabt habe.
Stand: 11.10.2012 18:11 Uhr
