Alexander Van der Bellen (links) und Norbert Hofer  | Bildquelle: AP

TV-Duell in Österreich Von "Brutpflegetrieb" und Hitler-Bildern

Stand: 21.11.2016 08:32 Uhr

Am 4. Dezember wählen die Österreicher wieder mal einen Präsidenten - die beiden Kandidaten haben sich zu einem weiteren TV-Duell getroffen. Dabei ging es neben bekannten Positionen auch um polemische Attacken. Am Ende gab es einen klaren Sieger.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Fast elf Monate dauert der Wahlkampf um die Hofburg nun. Kandidaten, Fakten und Positionen dürften zwar sattsam bekannt sein - doch laut Umfragen sind noch bis zu zehn Prozent der Wähler unentschlossen. Auch die zweite von vier TV-Debatten vor der Wahl sollte mal also wichtig nehmen, meint der Politikberater Thomas Hofer: "Nach einem so langen Wahlkampf, glaube ich, weiß mittlerweile fast ein jeder, in welche Richtung er tendiert. Die Frage ist nur: Gehen wirklich alle hin?"

Viele interessiere das Emotionale, sagt Hofer. Dazu gehört: Wie stellt sich der ruhige und eher bedächtige Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen im Endspurt auf den rhetorisch äußerst geschickten FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer ein. "Ich habe zu lange gebraucht, um mitzubekommen, dass Herr Hofer sehr gut geschult ist. Jetzt, glaube ich, kann ich Sie besser einschätzen", meint Van der Bellen gleich zu Beginn. Hofer erwidert: "Jetzt haben Sie den Dreh heraus, sozusagen."

Die Moderatorin arbeitet erst einmal alles ab - Europa, Migration, Flüchtlingspolitik. Van der Bellen und Hofer tauschen da eher sachlich die bekannten Positionen aus.

Was ist mit dem "Brutpflegetrieb"?

Dann kommt ein Buch zur Sprache, das Hofer im Jahr 2013 herausgab. Geschrieben hatte es ein FPÖ-Bezirksrat, der Frauen mit "Brutpflegetrieb" bevorzugen würde. "Jeder Mensch, jede Frau, jeder Mann soll selbstbestimmt leben können und...", sagt Hofer dazu. Die Moderatorin geht dazwischen: "Das heißt es ist Ihnen passiert, dass Sie der Herausgeber geworden sind?" Hofer: "Nein, es ist mir nicht passiert, aber ich bin ja nicht die Zensur."

Van der Bellen möchte wieder zu dem Buch und der "Brutpflege" zurück: "Zwei Sachen dazu. Ein Experte sagt, das Buch erfüllt über weite Strecken fast alle Kriterien des Rechtsextremismus." Und Hofer habe gesagt, der Inhalt sei insgesamt in Ordnung. Dieser kontert: "Wissen Sie, das mit dem Rechtsextremen - Sie müssen schon wissen, dass der Autor seit vielen vielen Jahren mit einer Jüdin verheiratet ist. Das weise ich wirklich zurück."

Hitler-Bilder und Twitter-Beleidigungen

Trotzdem - der Wahlkampf in Österreich sei nicht mit dem in Amerika vergleichbar, meint Hofer zur Moderatorin: "Auch wie die Medien mit Kandidaten umgehen, da sind wir beide ja fast verwöhnt." "Weil wir so lieb zu Ihnen sind?", fragt die Moderatorin. Hofer: "Ja, ich bin völlig begeistert."

Da mischt sich Van der Bellen ein und zieht eine Mappe hervor: "Bevor wir uns gegenseitig heilig sprechen hier im Wahlkampf: Ich bin absolut nicht Ihrer Meinung. Ich zeige Ihnen da was: oben ist ein Plakat von mir und unten sind zwei Hitler-Bilder. Oben steht 'An Österreich glauben', da stehe ich im Kaunertal mit meinem Hund und unten steht zweimal Hitler mit seinem Schäferhund."

Hofer verurteilt die Hitler-Bilder und führt dann seinerseits Beispiele an - wie er auf Twitter von einer "Zwetschge" angegriffen wird. "...schreibt die 'Zwetschge' auf Twitter: 'Warum bringst Du Dich nicht endlich um, Du Hurensohn?" Und wer sei bei der „Zwetschge“ "mit dabei"?: "Anti-Fa-Prinzessin", "Junge Grüne".

Klarer Sieg für Hofer

Nach der Debatte ergibt eine Umfrage: 49 Prozent fanden den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer besser - 41 Prozent den langjährigen Grünen-Chef Van der Bellen.

Politikberater Hofer analysiert das so: Über weite Strecken hat man sehr emotionale Themen diskutiert - wie zum Beispiel die Flüchtlingsfrage und die Türkei. Da sei Van der Bellen häufig in der Defensive gewesen, weil seine Position nicht die der Mehrheit sei. "Und Hofer hat eines geschafft: Er hat einfach nicht provokant in alter FPÖ-Manier diskutiert."

Die Vorentscheidung sei noch nicht gefallen, glaubt der Wissenschaftler - es werde wieder knapp am 4. Dezember - auch die letzten beiden TV-Debatten bis zur Wahl sollte man also wichtig nehmen.

TV-Duell Österreich: Norbert Hofer und Alexander van der Bellen
A. Beer, ARD Wien
21.11.2016 08:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2016 um 08:39 Uhr.

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