TV-Studio mit den elf franzözischen Präsidentschaftskandidaten in Paris | Bildquelle: REUTERS

TV-Duell in Frankreich Debatte im Zeichen des Terrors

Stand: 21.04.2017 02:22 Uhr

Als auf den Champs-Elysées Schüsse fielen, debattierten die elf französischen Präsidentschaftsanwärter in einem Fernsehstudio. Mit Merkel-Bashing und neuer Treuherzigkeit warben sie für sich.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Moderator David Pujadas unterbrach die Sendung um kurz vor 22 Uhr, für eine Information, die sich in den sozialen Netzwerken rasch verbreitet hatte: Schießerei auf den Champs-Elysées, ein toter Polizist. Marine Le Pen, die Kandidatin des rechtsextremen Front National, sagte bereits um kurz nach halb neun: "Sicherheit und Terrorismus, das Thema fehlt im Wahlkampf komplett." Zu diesem Zeitpunkt konnte sie noch nicht wissen, dass Polizisten angegriffen worden waren.

Das Thema Sicherheit und Terrorismus stand in der Tat im Wahlkampf bislang nicht an erster Stelle. Es ist ein zentrales Thema des Front National - mit scharfen Thesen wie dichten Grenzen und Ausweisung aller straffällig gewordenen Ausländer möchte der FN punkten. Gewalttaten spielen Le Pen natürlich in die Hände.

TV-Duell vor der Wahl am Sonntag | Bildquelle: REUTERS
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Die FN-Kandidatin Le Pen versuchte mit scharfen Thesen gegen Ausländer zu punkten...

TV-Duell vor der Wahl am Sonntag | Bildquelle: REUTERS
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... während der Linkspolitiker Mélenchon an seinem Image arbeitete.

Fillon: "Sicherheit wird meine Priorität"

Als Law-and-Order Mann gibt sich auch der Konservative Francois Fillon. Er war als letzter aller Kandidaten mit dem Interview an der Reihe und ließ natürlich die Gelegenheit nicht aus, den Anschlag für sich zu nutzen: "Der Kampf gegen den Terrorismus muss die absolute Priorität des nächsten Präsidenten sein - es wird meine Priorität."

Innere Sicherheit ist eigentlich kein bevorzugtes Thema des Führenden in den Umfragen, aber auch der unabhängige Emmanuel Macron ging in seinem 15-Minuten-Interview sofort auf die Schießerei ein: "Wir alle wollen Präsident werden", sagte Macron, "und die erste Aufgabe des Präsidenten ist es zu beschützen. Heute Abend sind Polizisten angegriffen worden - diese Bedrohung wird uns die nächsten Jahre begleiten."

Mélenchon erst handzahm, dann angriffslustig

Bevor das Thema innere Sicherheit sich mit Macht über die Interviews legte, hatten die Kandidaten versucht, mit Themen und Auftritten zu überzeugen: Linksaußen Jean-Luc Mélenchon von der Bewegung "Unbeugsames Frankreich", der in Umfragen gerade mächtig aufholt, polierte sein Image: Mélenchon gilt als bärbeißig und schwierig, gab sich zunächst aber ausgesprochen handzahm. Er sei keiner, der ständig Trouble mache, versicherte Mélenchon treuherzig, wie auch die Franzosen doch eigentlich viel besser seien als ihr Ruf. Wichtig seien ihnen gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit. Soweit, so brav.

Erst als es um Außen- und EU-Politik ging, zeigte sich der wahre Mélenchon - weit weniger gemäßigt. Zwar wolle er nie im Leben die Allianz mit Deutschland aufkündigen, aber für den Fall, dass es bei künftigen EU-Verträgen keine Bewegung von Kanzlerin Angela Merkel weg vom rigiden Sparen gebe, kündigte er an: "Entweder verändern wir die EU oder wir gehen raus."

#kurzerklärt: Wie wählt Frankreich?
nachtmagazin, 21.04.2017, Demian von Osten, WDR

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"Demütigungen durch Frau Merkel"

Raus aus der EU ist auch ein Credo von Le Pen. Sie ließ es sich natürlich nicht nehmen, aktives Merkel-Bashing zu betreiben: "Ich kann die vielen Demütigungen Frankreichs durch Frau Merkel kaum mehr ertragen", stöhnte sie.

Haben sich die vielen Unentschlossenen nun ein besseres Bild machen können? Viel Neues erfuhren die Franzosen nicht. Fillon und Le Pen erklärten, ihren Wahlkampf wegen des Attentats auszusetzen. Man wird sehen, ob sich das auszahlt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. April 2017 um 22:15 Uhr.

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