Der Sarkophag des Tutanchamun wurde 1922 im Tal der Könige gefunden. | Bildquelle: dpa

Archäologen finden geheime Grabkammern Heiße Spur zum Grab der Nofretete?

Stand: 28.11.2015 18:27 Uhr

Ist das Grab der Nofretete gefunden? Das ist noch ungewiss, aber Archäologen sind sich nach umfangreichen Radaranalysen fast hundertprozentig sicher, dass es im Grabmal des Tutanchamun eine zweite Kammer gibt. Und da könnte die legendäre Königin bestattet liegen.

Von Cornelia Wegerhoff,  ARD-Hörfunkstudio Kairo

Noch immer lässt die Sensation auf sich warten. Aber sie wird immer wahrscheinlicher, ist Ägyptens  Minister für Altertümer, Mamdouh El Damati, fest überzeugt. Zwei Tage lang hat der japanische Radarexperte Watanabi in der mehr als 3300 Jahre alten Grabkammer von Pharao Tutanchamun die Wände gescannt. Der Minister, selbst Archäologe, stand die ganze Zeit daneben.

Die erste Auswertung der Aufnahmen mit Radartechnik und Infrarot-Wärmekameras stimmt ihn und das Forscherteam mehr als optimistisch, sagt er: "Jetzt sind wir zu 90 Prozent sicher, dass sich hinter der nördlichen als auch hinter der westlichen Wand der Grabkammer Tutanchamuns weitere Räume befinden. Vor zwei Monate sind wir noch von einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent ausgegangen. Aber nun wissen wir, dass da wirklich Hohlräume im Fels sind, die uns deutlich darauf hinweisen, dass dort noch unbekannte Grabkammern existieren."

Das Tal der Könige, hier vermuten die Forscher das weitere Grabkammern -  Archivbild von 2014. | Bildquelle: dpa
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Das Tal der Könige, hier vermuten die Forscher das weitere Grabkammern - Archivbild von 2014.

Noch einen Monat, bis die Kammer geöffnet werden kann

Allerdings bedürfe es noch weiterer Studien und genauer Analysen der Bilder durch die japanische Experten, so Mamdouh El Damati bei der Pressekonferenz im Tal der Könige. Und das würde etwa einen Monat lang dauern. Dann müsse man einen genauen Arbeitsplan erstellen. Schon vorab hatte es geheißen, dass die kostbaren Wandgemälde im Grab Tutanchamuns mit Hilfe von Fresko-Spezialisten abgenommen werden müssten.

Erst danach könne man ganz behutsam zu den bisher unbekannten Kammern und möglichen Grabschätzen vordringen. Der britische Archäologe Nicolas Reeves hat die Theorie, dass es sich um das bislang noch nicht entdeckte Grab von Königin Nofretete handelt.  

Der Sarkophag des Tutanchamun wurde 1922 im Tal der Könige gefunden. | Bildquelle: dpa
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Der Sarkophag des Tutanchamun wurde 1922 im Tal der Könige gefunden. In der Nähe des Fundortes erhoffen die Forscher jetzt auf weitere Kammern zu stoßen.

Sie war die Stiefmutter Tutanchamuns und vielleicht auch seine Amtsvorgängerin. Nach dem unerwartet frühen Tod Tutanchamuns hätten die alten Ägypter womöglich einen Teil ihres Grabes quasi wieder verwertet, so Reeves.  Die vier Räume des Tutanchamun-Grabes wären vielleicht ursprünglich nur der Zugangsbereich dieses älteren Grabes gewesen. Als der junge Herrscher starb, hätten die alten Ägypter das ganze kurzerhand umfunktioniert.

Nach den Untersuchungen der vergangenen Tage fühlt sich Nicolas Reeves in seiner Theorie bestätigt: "Mein Blick auf die Bilder vom Scanning bestätigt die Existenz von verschlossenen Zugängen. Auf der Westwand führen sie möglicher Weise zu einem zusätzlichen Raum aus der Periode Tutanchamuns. Und im Norden scheint ein Korridor weiterzuführen. Ich vermute, dass sich die Grabkammer Tutanchamuns in einer anderen Grabkammer befindet."

Geheime Hinweise auf Nofretetes Grab?

Eben der von Nofretete, davon ist Reeves fest überzeugt. Die Büste der für ihre Schönheit so berühmten Königin steht im Ägyptischen Museum in Berlin. Ihre sterblichen Überreste wurden jedoch nie gefunden. Reeves glaubt sogar, ihr Bild auf den Wandmalereien im Grab Tutanchamuns entdeckt zu haben, vielleicht ein geheimer Hinweis.

Kopf der Nofretete - ihre Grabkammer könnte nun möglicherweise gefunden werden. | Bildquelle: dpa
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Die Forscher hoffen, auch den Grabraum der legendärin Königin Nofretete zu finden.

Der britische Archäologe, der an der Universität von Arizona lehrt, verfolgt seine Theorie bereits seit dem vergangenen Jahr. Damals entdeckte er auf hochauflösenden Fotos von den prächtigen Wandmalereien Linien, rechtwinklig verlaufende Risse. Sie würden die Umrisse zweier Durchgänge darstellen, so Reeves. Außerdem fehlten in der Grabkammer Tutanchamuns zwei der sonst vier in der damaligen Zeit üblichen Nebenkammern. Und auch die Ausrichtung sei ungewöhnlich.

Schon Reeves Theorien sorgten für helle Aufregung in der Archäologen-Welt. Dass die Radar-Untersuchungen seine Annahmen nun zu bestätigen scheinen, lässt die Sensation immer näher rücken.

Neue Kammer im Grab Tutanchamuns immer wahrscheinlicher
C. Wegerhoff, ARD Kairo
28.11.2015 19:06 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 29. November 2015 um 00:46 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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