Ein Besucher betrachtet die Totenmaske im Museum  | Bildquelle: dpa

Ägypten rätselt über beschädigte Totenmaske Beim Barte des Pharaos

Stand: 22.01.2015 21:17 Uhr

War er ab oder nicht? Diese Frage stellen sich gerade alle Touristen in Kairo. Denn in Ägypten kursiert ein Gerücht: Beim Putzen soll der Bart der goldenen Totenmaske von Pharao Tutanchamun abgebrochen und dann wieder angeklebt worden sein.

Von Cornelia Wegerhoff, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Der Saal liegt in gedämpftem Licht. Nur in der Mitte ist eine Vitrine von allen Seiten ausgeleuchtet. Und auch die Blicke der Besucher richten sich beim Hereinkommen nur auf diesen einen Punkt. Auf die goldene Totenmaske von Tutanchamun. "Sie ist großartig, wundervoll. Es ist toll, dass wir so nahe ran können", sagt eine Besucherin. "Ich liebe sie. Wunderschön", eine andere. "Spektakulär" findet sie ein Mann. "Und das haben die alten Ägypter vor über 3000 Jahren geschaffen. Wie haben die das gemacht?", fragt er sich.

Ein Besucher betrachtet die Totenmaske im Museum | Bildquelle: dpa
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Sieht man etwas? Ein Besucher betrachtet die Totenmaske im Museum in Kairo.

Die kleine Reisegruppe aus Kanada ist tief beeindruckt. Allein dafür habe sich die Reise nach Kairo gelohnt. Die weltberühmte Maske des legendären Pharaos einmal aus nächster Nähe zu betrachten. Schon mit 19 Jahren soll der ägyptische Herrscher, der als Kind auf den Thron stieg, gestorben sein. Auf das Gesicht seiner Mumie legten die Priester in der Antike die kostbare Maske, eine von unzähligen Grabbeigaben für die Reise in die Ewigkeit. Geformt aus elf Kilo purem Gold, verziert mit leuchtend blauem Lapislazulie und anderen Edelsteinen. 

"Ich weiß nichts davon"

Ein Polizist in Uniform und mehrere Sicherheitsbeamte in Zivil wachen direkt im Saal darüber, dass niemand zu nah an diesen Schatz herangeht. Doch ab und an muss im Museum ja auch mal Staub gewischt werden. "Wenn die Vitrinen gereinigt oder gewartet werden müssen, dann werden sie vom zuständigen Museumskurator geöffnet", erklärt Museumsdirektor Mahmoud El Hawagy.

Zum Reinemachen im Museum muss er sich sonst nie äußern, doch genau dabei soll es passiert sein. Der Bart des Pharaos sei im vergangenen Jahr abgebrochen, berichteten Konservatoren des Museums jetzt ohne ihren Namen nennen zu wollen der Nachrichtenagentur AP. Ihr Direktor sagt heute, ihm hätten sie das leider nicht berichtet.

"Es gibt einige Geschichten, dass dieser sogenannte falsche Bart abgebrochen sei. Aber ich weiß nichts davon. Ich habe nie gesehen, dass der Bart abgebrochen war", sagt er. Woher sie diese Geschichte haben - keine Ahnung, berichtet El Hawagy, der erst seit Oktober im Amt ist. Gerüchten zu Folge soll das Missgeschick im Juli passiert sein.

Kleben und dann mit einem Spachtel wegkratzen

Offiziell vermerkt worden sei aber nichts. Was durchaus sein kann. Denn die, die dabei waren, behaupten: Ganz von oben hätte es damals die Anweisung gegeben, den peinlichen Schaden möglichst schnell zu beheben. Der abgebrochene Bart sei nicht mal in die Konservatoren-Werkstatt gebracht worden, so die anonymen Zeugen. Stattdessen hätte jemand schnell Kunstharz organisiert und den Bart des Pharaos schnell wieder angeklebt. Das Harz trocknet schnell, sei aber als Kleber völlig ungeeignet - bei einem antiken Objekt dieser Bedeutung. Weil sogar Kleber übergequollen sei, hätte man den Rest mit einem Spachtel weggekratzt, so die Informanten. Die Spuren seien auf der Maske zu sehen.

"Nein, es gibt überhaupt keine Kratzer", sagt Direktor El Hawagy. Und langsam wird er ärgerlich. "Selbst wenn so etwas passiert sein soll, warum haben diese Leute damals nichts gesagt, warum erst jetzt, nach sechs, sieben Monaten?" regt er sich auf. Warum waren sie solange still? "Das macht auf mich den Eindruck, als verfolgten sie damit eine Absicht. Eine böse Absicht."

Wer findet eine Spur des Skandals?

Gerüchte und Intrigen - auch im modernen Ägypten wird mit allen Mitteln um die Macht gerungen. Nicht erst seit gestern gibt es Kritik an der Führung des Ägyptischen Museums. 160.000 antike Objekte zu hüten ist keine leichte Aufgabe bei chronisch leeren Kassen. Touristen kommen nur noch wenige. Aber auch im zuständigen Ministerium für Altertümer sind die Lager gespalten. Nicht alle verhalten sich loyal. Die Anhänger früherer Minister sollen an den diversen Stühlen sägen.

"Wie auch immer", lenkt der sichtlich genervte Museumsdirektor schließlich ein. Das Ministerium für Altertümer hat eine Untersuchungskommission eingerichtet. Mit hochspezialisierten Restauratoren und anderen Experten. Sie werden den Zustand der Maske Tutanchamuns untersuchen. Ihren Bericht werde man sofort an sämtliche Fernsehstationen, Radiosender und Agenturen schicken, fügt El Hawagy hinzu. Wann, das kann er noch nicht sagen.

Rund um die Vitrine mit der weltberühmten Maske kneifen die Besucher unterdessen die Augen zusammen, um rund um Pharaos Bart irgendeine Spur des möglichen Skandals zu erkennen. Kann man denn irgendwie sehen, dass der ab war und einfach wieder dran geklebt wurde? "Ich weiß es wirklich nicht", sagt die Touristin aus Kanada. "Ich kann da keinen Kommentar abgeben. Aber es wäre sehr unfair, wenn ein Einzelner so etwas tut und damit der ganzen Menschheit so einen bedeutenden Schatz beschädigt."

Dieser Beitrag lief am 22. Januar 2015 um 17:52 Uhr im Deutschlandfunk.

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