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In einer Woche wählen die Polen ein neues Parlament - und nicht nur für Amtsinhaber Tusk hat die entscheidende Phase des Wahlkampfs begonnen. Er tourt seit Wochen mit einem "Tuskobus" durch das Land. Doch der Bus hat einen Makel - er kommt aus Deutschland.
Von Ludger Kazmierczak, ARD-Hörfunkstudio Warschau
Auf seiner Wahlkampftour durch Polen wird Ministerpräsident Donald Tusk längst nicht überall mit offenen Armen empfangen. Vor allem Fußballfans sind nicht gut auf den Regierungschef zu sprechen.
Im Kampf gegen Polens berüchtigte Hooligans hat Tusk einen "Null-Toleranz"-Kurs eingeschlagen und die Gesetze verschärft. In den Fankurven des Landes wird ihm das vermutlich nicht viele Stimmen einbringen. "Wir wollen wie jeder andere normale Bürger behandelt werden, egal ob wir singen oder uns Fußballspiele ansehen. Das Verhalten der Polizei empört uns", schimpft ein Fan.
Tusk scheut den Kontakt mit seinen Gegnern nicht. Er geht auf sie zu, hört sich ihre Kritik an und verteidigt seine Politik. Wahlkampfreden hält er keine. Der Premier sucht das Gespräch mit den Menschen. "Eine Frau aus Lipno, die mich sehr stark attackiert hatte, sagte am Ende, dass sie überrascht war, dass ich so normal bin", berichtet er.
Seit zwei Wochen reist Tusk mit dem Bus durchs ganze Land - mit dem "Tuskobus", wie die Leute sagen. "Wir tun mehr für Polen" steht auf den getönten Scheiben. Der Bus ist übrigens ein deutsches Fabrikat - was der Chef des polnischen Omnibusherstellers Autosan nicht nachvollziehen kann: "Es ist schade, dass er nicht mit einer polnischen Marke fährt. Ich habe diesen Bus von Tusk gesehen - und er unterscheidet sich nicht im geringsten von unseren", sagt Ryszard Bogusz.
Wie es scheint, kann der Premier es niemandem recht machen. Das schlägt sich auch in den Meinungsumfragen nieder: Tusks Bürgerplattform hat Stimmen eingebüßt, bleibt aber weiter vorne. Doch die Nationalkonservativen machen Boden gut - je nach Umfrage liegen sie nur noch vier bis fünf Prozentpunkte hinter den Liberalen.
Tusks Parteifreundin Malgorzata Kidawa-Jablonska macht sich aber keine Sorgen, dass es am 9. Oktober zu einem Machtwechsel kommen könnte: "Er ist der Premier, er kriegt das schon hin. Er hat eine Gabe, mit den Leuten zu reden. Er zeigt viel Geduld und hört zu." Es werde keine leichte Aufgabe, aber sie sei fest davon überzeugt, dass Tusk dem gewachsen sei: "Das wird ein großer Erfolg."
Die Opposition lächelt über den "Tuskobus" und fragt, ob der Regierungschef sich in Zeiten der polnischen EU-Ratspräsidentschaft eine solche Tour überhaupt erlauben kann. "Kann man Polen und die EU von einem Bus aus regieren?", fragt Tadeusz Siwinski von der Demokratischen Linksallianz.
Die Opposition hatte früh mit dem Wahlkampf begonnen, Tusk zog später nach, ist dafür jetzt aber umso präsenter. Seine Politik, die auch zu Einschnitten in den Renten- und Sozialsystemen geführt hat, mag umstritten sein - laut Meinungsforschern gilt er unter allen Spitzenkandidaten aber noch immer als der sympathischste. Und für manchen Wähler ist bekanntlich auch das ein Kriterium.
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