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10.02.2012

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Turin: "Grabtuch Christi" lockt bis zu 10.000 Menschen pro Stunde
Reliquie wird in Turin ausgestellt

Das Grabtuch lockt bis zu 10.000 Menschen pro Stunde

Erstmals seit zehn Jahren ist das berühmte "Grabtuch Christi" wieder im Turiner Dom zu besichtigen. Das gelbliche Leinentuch gilt als kostbarste, aber auch umstrittenste Reliquie des Christentums. Die Kirche rechnet bei der Ausstellung mit weit mehr als drei Millionen Pilgern.

Von Gregor Hoppe, ARD-Hörfunkstudio Rom

Kardinal Severino Poletto, Erzbischof von Turin, zeigt das Grabtuch im Turiner Dom (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kardinal Severino Poletto, Erzbischof von Turin, zeigt das Grabtuch im Turiner Dom. ]
Der Run auf die Reliquie wird 650 Reisebusse pro Tag nach Turin bringen. Man rechnet, wenn die Ausstellung des Turiner Grabtuchs mal voll angelaufen ist, mit fünf- bis zehntausend Menschen in der Stunde. Sie können sich in einem Seitenaltar des Turiner Doms drei bis fünf Minuten lang in die Betrachtung des Tuchs versenken. Gläubige Pilger die meisten, aber sicher auch Schaulustige, die nicht daran glauben, dass Jesus von Nazareth in diesem Tuch zur Ruhe gelegt worden sei.

"Spiegel des Evangeliums"

Für Kardinal Severino Poletto, Erzbischof von Turin, steht ungeachtet der wissenschaftlichen Debatte fest: "Vom Spirituellen her ist es wichtig, den Gläubigen Gelegenheit zu bieten, dieses geheimnisvolle Bild zu betrachten." Johannes Paul II. hatte das Leintuch einen "Spiegel des Evangeliums" genannt. Denn in allen Einzelheiten entspreche das Tuch der Passion Christi. Kardinal Poletto: "Das Tuch gibt in vollkommener Weise alle Einzelheiten wieder: Von der Dornenkrone, der Geißelung, bis hin zum Lanzenstich in die Seite und den Wundmalen der Nägel. Das Blut, das ist interessanterweise schon untersucht worden, ist Blut zweierlei Typs: Einmal eines Lebenden, am Kopf, am Körper, von den Geißelschlägen, und Blut eines Toten, an der Seite, denn Christus erfuhr den Lanzenstich erst nach seinem Tode."

Echt oder nicht echt?

Ein Gedankenspiel von Zweiflern ist sicher: Wenn man Einzelheiten der Leidensgeschichte Jesu so klar und deutlich am bildhaften Abdruck auf dem Tuch ablesen kann, wäre das nicht ein Hinweis darauf, dass es erst nach den Evangelien entstanden sein kann? Fest steht, dass das Tuch der C14-Radiocarbonuntersuchung nicht standhielt. Demnach stammt es aus dem 16. Jahrhundert.

Turin bereitet sich auf den erwarteten Ansturm von Millionen Pilgern vor. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Turin bereitet sich auf den erwarteten Ansturm von Millionen Pilgern vor. ]
Allerdings wird auch an dieser Methode gezweifelt, zumindest in Kirchenkreisen. Spätere Ablagerungen und Beschädigungen - so überstand das Tuch auch einen Brand - könnten dieses Messergebnis verzerrt haben, heißt es.

Und: Der Abdruck der Wundmale, die die Nägel verursachten, sitzen nicht dort, wo Jahrhunderte der Kunstgeschichte sie verorteten: Mitten in der Hand- beziehungsweise auf der Oberfußfläche, sondern, wie die historische Kreuzigungspraxis nahe legt, oberhalb des Hand- beziehungsweise Knöchelgelenks.

Schwierige Fragen, auf die Kirchenvater Augustinus sagen würde: Wir sehen wie in einem Spiegel, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jedenfalls: Gläubige haben, so sagt es der Erzbischof, an diesem Tuch eine Hilfe, sich in die Betrachtung des Leidens Christi spirituell zu vertiefen.

Kulturprogramm und Papstbesuch

Dass der Betrieb vor dem Tuch der Andacht nicht allzu abträglich wird, das wollen 4500 Freiwillige gewährleisten, die der Diözesanverwaltung helfen, den Ansturm der Pilger in geregelte Bahnen zu lenken. In Turin sorgt die Ausstellung des Leintuchs oder Grabtuchs auch für ein kulturelles Begleitprogramm von einigem Umfang: So versammelt ein Museum 180 italienische Kunstwerke unter dem Titel: Jesus, ein Gesicht für die Malerei. Und das hoch angesehene Filmmuseum in der Mole Antonelliana, diesem mit Spitzturm gekrönten Wahrzeichen der Stadt aus dem Olympialogo 2006, zeigt eine Reihe mit Jesusdarstellungen in cineastischen Werken. Ein weiteres Großereignis steht für die Regionalhauptstadt des Piemont am 2. Mai an: Dann pilgert Papst Benedikt XVI. zum Turiner Grabtuch.

Stand: 10.04.2010 04:23 Uhr
 

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