Tunesiens Regierung wirft Salafisten Terror vor

Anhänger der Salafisten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei in einem Vorort von Tunis. (Bildquelle: REUTERS)

Nach Ausschreitungen in Tunesien

Regierung geht auf Distanz zu Salafisten

Nach den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern der Salafisten-Bewegung Ansar al Scharia in Tunesien hat Regierungschef Ali Larayedh der Organisation erstmals Verbindungen zum Terrorismus vorgeworfen.

Tunesiens Salafisten sorgen für neue Zerreißprobe
A. Göbel, ARD Rabat
20.05.2013 15:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Die Organisation sei "in den Terrorismus verstrickt", sagte Larayedh im Staatsfernsehen. "Ansar al Scharia ist eine illegale Organisation, die den Staat herausfordert und provoziert."

Tunesischer Regierungschef Ali Larayedh (Bildquelle: dpa)
galerie

Regierungschef Larayedh bewertet Ansar al Scharia als illegale Bewegung.

Larayedh gehört der regierenden Ennahda-Partei an, die selbst eine islamistische Ausrichtung hat, sich aber neuerdings verstärkt gegen die militanten Islamisten wendet. Ansar al Scharia wirft der Ennahda eine anti-islamische Politik vor und drohte der Regierung mit "Krieg". Nach eigenen Angaben zählt die Bewegung 40.000 Anhänger. Ihr wird eine Nähe zum Terrornetzwerk Al Kaida nachgesagt.

Ein Toter und 20 Verletzte

Zu den Ausschreitungen mit einem Toten und etwa 20 Verletzten kam es, nachdem die tunesischen Behörden einen geplanten Kongress der salafistischen Bewegung in der Stadt Kairouan, etwa 150 Kilometer südlich von Tunis, verboten hatten - nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen.

Ansar al Scharia rief daraufhin zu einer Versammlung in Ettadhamen auf. Der Stadtteil im Westen der Hauptstadt Tunis gilt als ein Zentrum der Organisation. Dort kam es zu ersten Tumulten, die sich später ins Nachbarviertel Intilaka verlagerten.

1/5

Ausschreitungen in Tunesien

Straßenschlachten in Ettadhamen, einem Vorort von Tunis

In Ettadhamen, einem Vorort von Tunis, ruft Ansar al Scharia zunächst zu einer Versammlung auf. Wenig später kommt es zu Ausschreitungen. (Foto: AP)

Die Demonstranten errichteten Straßenblockaden aus brennenden Reifen und warfen Steine und Molotowcocktails. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschosse ein. Außer der Polizei waren auch Einheiten der Armee und der Nationalgarde im Einsatz.

70 Festnahmen in Kairouan

Reporter der Nachrichtenagentur AFP meldeten auch aus Kairouan Krawalle. Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurden dort 70 Salafisten festgenommen. Für die Hauptstadt wurden zunächst keine Festnahmen bekannt gegeben. Das Innenministerium sprach lediglich von "einigen Dutzend Festnahmen von Banditen und Salafisten" im ganzen Land.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Mai 2013 um 14:05 Uhr.

Stand: 20.05.2013 10:04 Uhr

Darstellung: