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Attentat in Tunis
Tunesischer Oppositionspolitiker erschossen
In Tunis ist ein prominenter Politiker der oppositionellen weltlichen Partei "Bewegung der demokratischen Patrioten" erschossen worden. Chokri Belaid sei vor seinem Haus von vier Schüssen in Kopf und Brust getroffen worden, teilte seine Partei mit. Belaïd sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.
Ihr Mann sei auf dem Weg ins Büro gewesen als er von den Schüssen getroffen wurde, sagte die Frau Belaïds dem Radiosender Mosaïque FM.
Tunesiens Ministerpräsident Hamadi Jebali verurteilte die Tat als politischen Mord. Jebali sprach im Radio von einem "kriminellen Akt, einem Terrorakt nicht nur gegen Belaïd, sondern gegen ganz Tunesien". Er warnte vor weiterer Gewalt, es sei nun wichtig, "nicht in die Kriminalitätsfalle zu tappen".
Belaïd war eine der Führungspersönlichkeiten der Opposition. Er kritisierte immer wieder die regierende gemäßigt islamistische Ennahda-Partei und warnte vor der Gewalt islamistischer Extremisten.
Tausende demonstrieren nach dem Attentat
Nach dem Mord kam es in mehreren tunesischen Städten zu Massenprotesten. In Tunis versammelten sich etwa tausend Demonstranten vor dem Innenministerium. Viele von ihnen forderten einen Sturz der Regierung.
In der Stadt Sidi Bouzid protestierten ebenfalls Tausende gegen die Ermordung des Politikers. Sie setzten Reifen in Brand und bewarfen Polizisten mit Steinen. Diese schossen in die Luft und setzten Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen.
In der Stadt Mezzouna wurde Augenzeugenberichten zufolge das Büro der regierenden Ennahda-Partei in Brand gesetzt; auch in Gafsa verwüsteten Demonstranten Büroräume der Partei. Sie machten die Regierung für das Attentat verantwortlich.
Die Regierungspartei bestritt jede Verwicklung in den Mord: Die Ennahda-Partei sei völlig unschuldig, sagte deren Vorsitzender Rached Gannouchi der Nachrichtenagentur Reuters.
Streit zwischen säkularen und islamischen Kräften
Der französische Präsident François Hollande äußerte sich in einer Stellungnahme entsetzt über das Verbrechen. "Frankreich ist besorgt über die Zunahme von politischer Gewalt in Tunesien", kommentierte der Staatschef. Der Mord habe dem nordafrikanischen Land eine seiner mutigsten und unabhängigsten Stimmen genommen.
Tunesien: Proteste nach Mord an Oppositionspolitiker
S. Ehlert, ARD Rabat
06.02.2013 13:51 Uhr
In Tunesien hatte vor zwei Jahren der sogenannte Arabische Frühling begonnen und sich dann in die Nachbarländer ausgebreitet. Das Land wird derzeit von einer gewählten Regierung geführt, die von Islamisten dominiert wird.
Im Land streiten säkulare und islamistische Kräfte über die Ausrichtung der Politik. Belaïd ist der zweite Oppositionspolitiker, der seit dem Sturz von Langzeitpräsident Ben Ali Anfang 2011 gewaltsam ums Leben kam.
Stand: 06.02.2013 15:01 Uhr
