Ein Hotelangestellter sammelt am Strand des Imperial Marhaba Hotels in Sousse die Matten der Liegen ein.

Mehr Kontrollen und Inspektoren Tunesische Hotels wollen sicherer werden

Stand: 15.01.2017 17:09 Uhr

Tunesiens Ruf als Sonne-Strand-Meer-Paradies ist von Terroristen zerschossen worden - viele Touristen meiden das Land. Die Regierung schult nun mit deutscher Hilfe Inspektoren, die Sicherheitsmaßnahmen in Hotels und Restaurants überprüfen.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Polizei patrouilliert am Strand von Sousse
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Am Strand patrouilliert eine spezielle Touristenpolizei.

Am Eingang eines großen Hotels in der Hauptstadt Tunis steht ein Scanner für Taschen, Koffer und Rucksäcke. Die Angestellte am Scanner lächelt uns freundlich an, wünscht einen "Guten Morgen" und winkt uns durch. Auf den Bildschirm, der den Inhalt unseres Gepäcks zeigt, schaut sie allerdings nicht.

Kerim Belhoucine macht so etwas Sorgen. Tunesien hat gezielte Terrorangriffe auf Tourismusziele erlebt. Das hat die Schlüsselbranche der tunesischen Wirtschaft hart getroffen - die Gäste bleiben weg. Belhoucine sagt, viele der mehr als 650 Hotels in Tunesien hätten mittlerweile technisch aufgerüstet: Überwachungskameras, Gepäck-Scanner, alles da.

Das helfe aber tatsächlich nur dann, wenn auch das Personal wirklich aufmerksam sei: "Wenn das Personal sich der Risiken bewusst und gut ausgebildet ist, wenn es weiß, was im Ernstfall zu tun ist - das ist das Wichtigste."

Deutscher Berater soll helfen

Gedenktafel mit Namen der getöteten Mitarbeiter des Imperial Marhaba Hotels
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Gedenktafel mit Namen der getöteten Mitarbeiter des Imperial Marhaba Hotels.

Dabei soll Gerhard Link, ein Sicherheitsberater aus Baden-Württemberg, helfen. Aus seiner Sicht geht es vor allem darum, die Mitarbeiter für die Risiken zu sensibilisieren. "Zum Beispiel Housekeeping - wenn diejenigen, die die Zimmer putzen, dann herauskommen in den Flur und da vielleicht einen Koffer stehen sehen. Sie gehen ins nächste Zimmer, kommen wieder raus - dann steht der Koffer vielleicht immer noch alleine da. Im Moment laufen die an dem Koffer vorbei."

Und genau das dürfe nicht sein, sagt Sicherheitsberater Link. Die Angestellten müssten Bescheid geben, damit so ein Koffer überprüft werde. Deshalb hat Link ein Handbuch für die Sicherheitsinspektoren des Tourismusministeriums geschrieben. Und er hat Prüflisten zusammengestellt. Die sagen den Inspektoren, worauf sie achten müssen, wenn sie die Sicherheitsmaßnahmen in tunesischen Hotels überprüfen.

Inspektoren überprüfen Hotels

Sicherheitskontrolle in Tunesien (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS
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Im ganzen Land sind seit den Attentaten die Sicherheitskontrollen verstärkt worden.

"Das Handbuch nutzen die Hotels, um sich selbst sicher zu machen. Andererseits können die Inspektoren die Hotels kontrollieren", erklärt Link. Das ist ein sensibles Thema. Kein Hoteldirektor hört es gerne, wenn ihm ein Inspektor sagt, dass seine Sicherheitsmaßnahmen mangelhaft sind.

Aber gleichzeitig wissen die Hotelbetreiber: Für die Gäste ist das Gefühl, dass ein Hotel um ihre Sicherheit bemüht ist, wichtig. Tunesiens Tourismusministerium hat Sicherheitsmaßnahmen in Hotels zur Auflage gemacht. 120 Inspektoren reisen durchs Land, um zu prüfen, dass sich die Hoteliers auch daran halten.

Strafen für Nachlässigkeit

Wer das nicht tut, muss mit Sanktionen rechnen. Im schlimmsten Fall wird das Hotel geschlossen. Aber Generalinspekteur Belhoucine sagt auch: "Solche Sanktionen greifen im Extremfall. Unsere Inspektoren sind im Moment vor allem unterwegs, um die Tourismusbranche zu beraten."

In dem großen Hotel in Tunis ist die Nervosität der Hoteldirektion und der Inspektoren spürbar, als wir Medienvertreter auftauchen. Weder die Sicherheitsberater noch die Hotelleitung möchten uns dabei haben, als bei einem Rundgang die vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen überprüft werden. Nur eins ist klar: Die angeschlagene Tourismusbranche Tunesiens arbeitet am Thema Sicherheit: Schulungen, Inspektionen, Sensibilisierung.

Vielleicht schaut die Angestellte am Gepäckscanner im Hoteleingang beim nächsten Mal vielleicht nicht nur die Gäste, sondern auch den Bildschirm des Scanners an.

Sicherheit für Touristen – Wie tunesische Hotels sicherer werden sollen
Jens Borchers, ARD Rabat
15.01.2017 16:04 Uhr

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