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Karte: Syrien und Türkei

Konflikt zwischen Türkei und Syrien

Neuer Granateneinschlag schürt Angst im Grenzgebiet

Niemand wolle Krieg, beteuerte der türkische Regierungschef Erdogan, gleichzeit ließ er an der Grenze zu Syrien aufrüsten. Nach den Granateneinschlägen auf türkischem Gebiet und den Vergeltungsschlägen gegen Syrien haben besonders die Bewohner der Grenzdörfer Angst.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Istanbul 

Güveççi ist ein 500-Seelen-Dorf in der südtürkischen Provinz Hatay. Jenseits der Grenze toben Gefechte, Rebellen und Truppen der syrischen Armee liefern sich eine regelrechte Schlacht. "Artilleriegeschosse und Mörsergranaten schlagen 20 Meter von der türkischen Grenze entfernt ein", berichtet ein Augenzeuge. "Die schießen sogar auf Fahrzeuge, die Verwundete wegbringen."

Wieder ist eine aus Syrien anfliegende Granate in der Türkei eingeschlagen. Das Geschoss explodierte neben dem Dorf Güveççi auf einem Feld. Wieder hat die türkische Artillerie das Feuer erwidert. Doch die türkischen Behörden werten diese Granate laut der Nachrichtenagentur Anadolu nicht als Angriff auf ihr Land. Das Amt des Gouverneurs von Hatay teilte mit, bei der Granate habe es sich sehr wahrscheinlich um einen Querschläger der syrischen Armee gehandelt. Ursache seien die heftigen Kämpfe zwischen Assad-treuen Truppen und syrischen Rebellen.

"Es steht schlecht um unsere mentale Verfassung"

Weiter bewaffnete Auseinandersetzung in Grenzregion zwischen Türkei und Syrien
tagesthemen 23:35 Uhr, 06.10.2012, Thomas Stephan, ARD Kairo

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Die Bewohner von Güveççi können besser als alle anderen nachvollziehen, was die Menschen der Grenzstadt Akcakale Mitte der Woche durchmachen mussten. Drei Granaten waren dort eingeschlagen und hatten zwei Frauen und drei Kinder getötet.

In den vergangenen Tagen habe sich die Lage gebessert, sagt Mustafa Bayrak, der in Akcakale lebt. "Davor war unsere mentale Verfassung ziemlich schrecklich, wir konnten nicht schlafen. Letzte Nacht dachten wir, der Donner seien Explosionen. So schlecht steht es um uns."

Die Lage sei in den vergangenen zwei Tagen besser geworden, pflichtet Hassan Akbaba bei. "Gestern Nacht haben wir Geschützfeuer gehört, aber das war weit weg. Ich hoffe, dass sich die Sachen in unserer Stadt nicht wiederholen."

Der Regierungschef lässt die Muskeln spielen

Der türkische Ministerpräsident Erdogan (02.10.2012).
galerie

Der türkische Ministerpräsident Erdogan

Um das zu verhindern lässt Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan die Muskeln spielen. Die Türkei hat mächtig an der knapp 900 Kilometer langen Grenze zu Syrien aufgerüstet. Niemand wolle Krieg, versichert Erdoğan, aber er sagt auch: "Wir sind einem Krieg nicht fern."

Unterdessen berichtet der türkische Nachrichtensender ntv unter Berufung auf türkische Sicherheitskreise, die Führung in Damaskus habe die grenznahen syrischen Truppen aufgefordert, einen mindestens zehn Kilometer breiten Abstand zur türkischen Grenze einzuhalten, um weitere Zwischenfälle zu vermeiden. Auch  die syrische Luftwaffe wurde demnach angewiesen, keine Einsätze mehr in unmittelbarer Grenznähe zu fliegen. Doch alle Mahnungen nutzen  nichts, sollten reguläre Truppen oder Rebellen oder aber Meister Zufall mit Querschlägern eine türkische Überreaktion provozieren, die in einen Krieg münden kann.

Stand: 06.10.2012 16:56 Uhr

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