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Autobombe explodiert nahe Polizeistation

Tote bei Anschlag in der Südtürkei

Im Südosten der Türkei, nahe der Grenze zu Syrien, sind bei einem Anschlag mindestens neun Menschen getötet worden, darunter vier Kinder. Bis zu 70 Personen wurden verletzt. Mehrere von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, sagte der türkische Vizeministerpräsident Besir Atalay.

Die Attentäter hatten am Montagabend in der Grenzprovinz Gaziantep ein mit Sprengstoff präpariertes Fahrzeug nahe einer Polizeistation in die Luft gejagt. Mehrere Autos und ein Stadtbus gingen in Flammen auf. Die meisten Opfer waren Zivilisten, die an einer Bushaltestelle warteten.

Explosion in der Türkei
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Schwere Explosion am Montagabend im türkischen Gaziantep.

Die Behörden schreiben die Tat der verbotenen Untergrundorganisation PKK zu. Diese bestritt aber, für die Tat verantwortlich zu sein. "Wir haben mit der Explosion in Gaziantep nichts zu tun", zitierte die PKK-nahe Nachrichtenagentur Firat eine Erklärung.

Terroranschlag in Gaziantep
R. Baumgarten, ARD Istanbul
21.08.2012 13:15 Uhr

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In der mehrheitlich von Kurden bewohnten Region ist die PKK stark. Der Konflikt zwischen türkischen Sicherheitskräften und den kurdischen Separatisten hatte sich in den vergangenen Wochen wieder verschärft. Die türkische Regierung beschuldigt die Führung im benachbarten Syrien, die PKK zu unterstützen. Die türkische Regierung will verhindern, dass die PKK den Bürgerkrieg in Syrien nutzt, um dort von Kurden bewohnte Gebiete dauerhaft unter ihre Kontrolle zu bringen.

Stichwort

Die Kurden sind die größte ethnische Gruppe der Welt ohne eigenen Staat. Laut der Gesellschaft für bedrohte Völker gibt es weltweit mehr als 30 Millionen Kurden, kurdische Quellen sprechen sogar von bis zu 45 Millionen Menschen. Die mit Abstand größte Gemeinde lebt in der Türkei, darauf folgen Iran, Irak und Syrien.

Die Situation der Kurden im Südosten der Türkei verschärfte sich Mitte der 80er-Jahre, als die verbotene Untergrundorganisation PKK den bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat aufnahm. Tausende Menschen wurden getötet, darunter auch viele kurdische Zivilisten.

Seit der Verhaftung des PKK-Führers Abdullah Öcalan und dem Druck der Europäischen Union auf die Türkei, die Menschenrechte einzuhalten, hat sich die Situation etwas entspannt. Dennoch beklagen viele türkische Kurden nach wie vor Diskriminierung, staatliche Repression und Gewalt.

Über den Flughafen in Gaziantep gelangt auch internationale Hilfe zu den mehr als 70.000 Flüchtlingen aus Syrien, die inzwischen in der Türkei sind. Auch wurde in der Stadt gerade ein Zentrum für Hilfsgüter eingerichtet.

Die PKK

Die PKK kämpft für einen eigenen Staat der Kurden oder zumindest ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. In dem Guerillakrieg sind seit 1984 laut Schätzungen 40.000 Menschen getötet worden. Aktiv ist sie derzeit vor allem im mehrheitlich von Kurden bewohnten Nordirak. Das Hauptquartier der PKK befindet sich in den nordirakischen Kandil-Bergen.

Die EU, die USA, die Türkei, der Irak und weitere Staaten stufen die PKK als terroristische Vereinigung ein. Die deutsche Organisation der PKK wurde 1993 vom Bundesinnenministerium verboten.

Stand: 21.08.2012 16:13 Uhr

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