Zeichnung vom türkisch-iranischen Goldhändler Reza Zarrab im Gericht in New York mit Richter Richard Berman. | Bildquelle: AP

Nach Aussage gegen Erdogan Türkei setzt Belastungszeugen unter Druck

Stand: 01.12.2017 21:32 Uhr

Im Korruptionsskandal um Geschäfte trotz der Iran-Sanktionen ist der türkische Präsident Erdogan durch die Aussage des Goldhändlers Zarrab in Erklärungsnot geraten. Nun reagieren die türkischen Behörden. Sie wollen das gesamte Vermögen des Geschäftsmannes beschlagnahmen.

Die türkische Justiz will das Vermögen des in den USA als Belastungszeuge in einem Prozess auftretenden türkisch-iranischen Goldhändlers Reza Zarrab beschlagnahmen lassen. Ein Staatsanwalt habe eine entsprechende Anordnung erteilt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Dies stehe im Zusammenhang mit einer Ermittlung.

In dem Prozess in New York hatte Zarrab ausgesagt, der heutige türkische Präsident und damalige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe von einem Komplott zur Umgehung von Sanktionen der USA gegen den Iran gewusst. Darüber hinaus habe er sogar mit der Ziraat-Bank und der Vakif-Bank zwei zusätzliche Banken angewiesen, sich an den Gold-für-Gas-Geschäften mit dem Iran zu beteiligen.

Als Zeuge aussagen und sich schuldig bekennen

Der 34-jährige Zarrab hatte bei dem brisanten Gerichtsverfahren neben anderen Angeklagten eigentlich selbst auf der Anklagebank sitzen sollen. Überraschend einigte er sich dann aber mit der Staatsanwaltschaft darauf, als Zeuge auszusagen und sich schuldig zu bekennen. Nun tritt er als Belastungszeuge auf. Auf der Anklagebank sitzt jetzt nur der frühere Vizechef der staatlichen türkischen Halkbank, Mehmet Hakan Atilla.

Zarrab soll in der Türkei einen luxuriösen Lebensstil geführt haben. Auch das Vermögen seiner Verwandten solle beschlagnahmt werden, berichtete Anadolu. Zarrab war im März 2016 während einer Reise nach Florida festgenommen worden, Atilla rund ein Jahr danach. Alle anderen Beschuldigten in dem Fall, darunter auch der frühere Halkbank-Chef Süleyman Aslan, halten sich nicht in den USA auf.

Vorwürfe gegen Erdogan

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim versucht den Prozess als Machenschaft der Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fetullah Gülen, kurz Fetö, zu brandmarken, die auch für den Putschversuch im Sommer 2016 verantwortlich sein soll.

Erdogan selbst hat sich zu Zarrabs Aussagen noch nicht öffentlich geäußert. Er hatte 2013 dafür gesorgt, dass Korruptionsermittlungen um die Iran-Geschäfte in der Türkei eingestellt wurden. Im Zuge des Skandals traten vier Minister zurück. Zudem waren Tonaufzeichnen zu hören, die angeblich von Erdogan stammten. Darin soll er seinen Sohn aufgefordert haben, Geld beiseite zu schaffen. Schon damals hieß es, die Gülen-Organisation stecke hinter den Korruptionsvorwürfen.

Der türkische Staatspräsident Receip Tayyip Erdogan Türkei | Bildquelle: REUTERS
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Der heutige türkische Präsident und damalige Ministerpräsident Erdogan soll von einem Komplott zur Umgehung von Sanktionen gegen den Iran gewusst haben.

Anwalt widerspricht

Der Vorsitzende der größten Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu, hatte Erdogan vorgehalten, einige seine Familienmitglieder hätten Millionen in der Steueroase Isle of Man vor dem türkischen Fiskus versteckt. Demonstrativ wedelte Kilicdaroglu mit den vermeintlichen Beweisen in der vom Fernsehen live übertragenen Fraktionssitzung. Doch der Anwalt der betreffenden Offshore-Firma Bellway, Turan Öner, widerspricht. "Das Dokument, das in Umlauf gebracht wurde und angeblich von unserer Kanzlei stammen soll, ist gefälscht", sagt er.

Inzwischen forderte die Staatsanwaltschaft die Unterlagen an. Mit einem Ende des Verfahrens in New York wird noch in diesem Jahr gerechnet.

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Dezember 2017 um 18:33 Uhr.

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