Türkischer Vize-Regierungschef Simsek | Bildquelle: REUTERS

Beziehung zu Deutschland Türkei wirbt wieder um Wirtschaftshilfe

Stand: 24.04.2017 11:07 Uhr

Gut eine Woche nach dem Referendum in der Türkei wirbt Vize-Regierungschef Simsek für Rückkehr zur Normalität in den deutsch-türkischen Beziehungen - und um deutsche Wirtschaftshilfen. Türkische Nazi-Vorwürfe gegen Deutschland hatten die Beziehungen zuletzt stark belastet.

Wenige Wochen nach den Nazi-Vorwürfen von Präsident Recep Tayyip Erdogan und anderer türkischer Politiker gegen Deutschland wirbt die Türkei wieder um deutsche Wirtschaftshilfe. "Ich denke, dass die Zeit kommen muss, zu einer Normalität in den Beziehungen zurückzukehren", sagte der türkische Vize-Regierungschef und Finanzminister Mehmet Simsek der "Bild"-Zeitung. Beim Treffen der G20-Finanzminister vor wenigen Tagen in Washington sei bereits wieder über Möglichkeiten diskutiert worden, die angeschlagene türkische Wirtschaft wieder anzukurbeln. "Dafür brauchen wir Deutschland", sagte Simsek der Zeitung.

Das einst rasante Wachstum unter Präsident Erdogan hat sich stark abgeschwächt. Der gescheiterte Militärputsch vom 15. Juli und die folgenden politischen Turbulenzen haben bei Investoren für Unsicherheit gesorgt. Eine Reihe blutiger Anschläge haben zudem ausländische Besucher abgeschreckt und den Tourismus einbrechen lassen, der früher für fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufkam. Die Arbeitslosigkeit im Land stieg 2016 auf 10,9 Prozent, die türkische Lira verlor seit dem Putschversuch massiv an Wert.

"Kein Unterschied zu Nazi-Praktiken"

Im Vorfeld des Verfassungsreferendums in der Türkei hatte Erdogan den Streit mit Deutschland mit provokanten Nazi-Vergleichen immer wieder angeheizt. "Eure Praktiken machen keinen Unterschied zu den Nazi-Praktiken in der Vergangenheit", sagte er etwa vor dem Hintergrund der geplatzten Wahlkampfauftritte türkischer Minister in Deutschland. Auch den Vorwurf, Deutschland würde "Terroristen" unterstützen, untermauerte der Präsident immer wieder mit Nazi-Vergleichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2017 um 10:00 Uhr.

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