Ahmet Davutoglu | Bildquelle: REUTERS

Angriffe in Syrien und im Irak Davutoglu spricht von 200 getöteten IS-Kämpfern

Stand: 14.01.2016 15:22 Uhr

In den vergangenen 48 Stunden will die Türkei "fast 500" Stellungen des IS angegriffen haben. Bei der Verifizierung der Toten bleiben aber Fragen offen. Auch die Zugehörigkeit des Selbstmordattentäters von Istanbul ist umstritten.

Die türkische Armee hat Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien angegriffen. Dabei wurden nach Angaben der türkischen Regierung 200 IS-Kämpfer getötet. Der türkische Regierungschef Davutoglu sprach laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu davon, dass "fast 500" Stellungen des IS entlang der Grenze zu Syrien und nahe einem türkischen Feldlager im Norden des Iraks mit Artilleriegeschützen in den vergangenen 48 Stunden angegriffen worden seien.

Wie die türkische Regierung die genaue Anzahl der getöteten Kämpfer oder ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ermitteln konnten, bleibt allerdings unklar. Die Lage in der Türkei nahe der syrischen Grenze ist unübersichtlich. Neben den Kämpfen gegen den IS befindet sich die Türkei auch im Konflikt mit kurdischen Rebellen.

Diese hatten nach offiziellen Angaben der türkischen Regierung am Tag zuvor eine Autobombe vor einer Polizeistation in Cinar gezündet. Dabei kamen sechs Menschen ums Leben, unter ihnen auch Zivilisten.

Türkei geht offenbar mit Vergeltungsschlag gegen IS vor
tagesschau 20:00 Uhr, 14.01.2016, Michael Schramm, ARD Istanbul

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Türkische Regierung nimmt angebliche Komplizen fest

Davutoglus Äußerungen zufolge war der Schlag eine Reaktion auf das "feige Attentat von Istanbul". Die türkische Regierung hatte nach dem Anschlag einen 27- oder 28-jährigen Syrer als Attentäter präsentiert, der nach Angaben des türkischen Innenministers Efkan Ala als Flüchtling in der Türkei registriert war. Er habe seine Fingerabdrücke bei der Registrierung abgegeben, mit denen er jetzt schnell identifiziert worden sei.

Der Mann stand Ala zufolge allerdings auf keiner türkischen oder internationalen Fahndungsliste. Die türkische Regierung hatte dennoch die Fahndung nach Komplizen des angeblichen syrischen Attentäters aufgenommen und fünf Personen festgenommen, die nach eigenen Angaben in direkter Verbindung zu dem Selbstmordattentäter gestanden haben sollen.

Davutoglu hatte allerdings eingeräumt, dass auch andere Kräfte als der IS hinter dem Anschlag stecken könnten. Die Türkei werde jedoch weiter versuchen, diejenigen zu bestrafen, die die Türkei oder ihre Gäste bedrohen. Für die deutschen Sicherheitsbehörden steht eine Verantwortung der IS-Miliz bei dem Bombenattentat am Dienstag noch nicht fest. Der IS selbst äußerte sich noch nicht dazu.

IS-Großangriff im Irak

Unterdessen begann die Terrormiliz nach Angaben von irakischen Sicherheitskräften einen Großangriff auf Anhänger der irakischen Regierung nahe der Stadt Tikrit. IS-Kämpfer hätten unter anderem einen Teil der Hauptverbindungsstraße zwischen den Städten Tikrit und Kirkuk unter ihre Kontrolle gebracht. Mindestens zwölf Dschihadisten und sieben Anhänger der irakischen Regierung seien bei den Kämpfen getötet worden.

Nahe dem Ort Tall Kasiba riss ein Selbstmordattentäter des IS zwei Soldaten mit in den Tod. Die Armee habe Verstärkung geschickt, um die Regierungsanhänger bei den Kämpfen rund 30 Kilometer östlich von Tikrit zu unterstützen.

Armee und schiitische Milizen hatten die Stadt rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad im März von der IS-Terrormiliz zurückerobert. Es war eine der schwersten Niederlagen für die Extremisten im Irak, die noch immer große Teile des Landes kontrollieren.

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