Türkische Soldaten in Nordsyrien  | Bildquelle: AFP

Sicherheitsrat zu türkischer Offensive Verhaltener Ruf nach Zurückhaltung

Stand: 23.01.2018 11:39 Uhr

Der UN-Sicherheitsrat hat sich in einer Sitzung zum Türkei-Einmarsch in Nordsyrien zu keiner gemeinsamen Erklärung durchringen können. Es gab lediglich einen verhaltenen Aufruf zur Zurückhaltung.

Der UN-Sicherheitsrat in New York hat über die türkische Offensive gegen Kurdenstellungen in Nordsyrien beraten, jedoch kein Ende der Militäraktion gefordert. Die Militäroffensive sei "natürlich Teil der Diskussion gewesen", sagte der französische UN-Botschafter François Delattre im Anschluss an die Beratungen hinter verschlossenen Türen. "Der Ruf nach Zurückhaltung wurde, glaube ich, in der Diskussion weitgehend geteilt."

Eine gemeinsame Erklärung der Sicherheitsratsmitglieder gab es nicht. Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, nahm nach Angaben aus Diplomatenkreisen nicht an den Beratungen teil. Delattre verwies auf die "tragische humanitäre Situation, verursacht durch die Operationen des syrischen Regimes und seiner Verbündeten" vor allem in Idlib und Ost-Ghuta. Die Lage in Afrin sei jedoch nur ein Aspekt "der Situation in Syrien". "Oberste Priorität" müsse weiterhin der Kampf gegen den Terrorismus und vor allem gegen den IS haben.

Kurden-Demo in Hamburg | Bildquelle: dpa
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In mehreren deutschen Städten protestierten Hunderte kurdische Demonstranten gegen die von der Türkei "Operation Olivenzweig" genannte Militäroffensive.

Proteste und Kritik in Deutschland

In mehreren deutschen Städten protestierten Hunderte kurdische Demonstranten gegen die von der Türkei "Operation Olivenzweig" genannte Militäroffensive. Auf dem Flughafen Hannover kam es dabei in einer der Terminalhallen zu Rangeleien zwischen Kurden und einer pro-türkischen Gruppe. Polizisten mussten die beiden Lager trennen. In der Innenstadt von Hannover gab es am Abend eine Demonstration, die zunächst friedlich verlief.

Nach Meldungen über einen möglichen Einsatz deutscher Kampfpanzer durch das türkische Militär im Norden Syriens pocht die Linkspartei auf eine Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Angesichts des Einmarschs müsse Merkel ihre Türkei-Politik erklären, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte. Ähnlich wie Korte hatte sich bereits Vize-Fraktionschefin Sevim Dagdelen geäußert. Deutschland dürfe nicht länger am Krieg des türkischen Staatspräsidenten gegen kurdische Milizen beteiligt werden.

Auch die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger übte scharfe Kritik am mutmaßlichen Einsatz von deutschen Panzern. "Der sofortige Stopp aller Rüstungsexporte in die Türkei ist längst überfällig. Das gilt auch für die von der türkischen Regierung geforderte Aufrüstung der Leopard-2-Panzer", sagte Brugger der "Heilbronner Stimme.

Karte: Syrien mit Afrin und Türkei
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Syrien mit Afrin und Türkei

Heftige Kämpfe in Afrin

Die türkische Armee lieferte sich erneut in der syrischen Region Afrin heftige Kämpfe mit den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete Gefechte im Norden und Südwesten der Region.

Zudem hätten protürkische Rebellen eine neue Offensive im Nordosten Afrins gestartet, wo sie am Vortag gemeinsam mit türkischen Truppen den strategisch wichtigen Hügel Barsaja erobert hatten. Ein türkischer Soldat sei bislang bei den Gefechten ums Leben gekommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die türkischen Streitkräfte.

Luftangriffe im Nordirak

Zeitgleich mit der neuen Offensive in Syrien bombardierte die türkische Luftwaffe Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak. Die Angriffe in der Region Zap hätten sich gegen PKK-Kämpfer gerichtet, die Attacken auf türkische Sicherheitskräfte an der Grenze vorbereiteten, teilte die türkische Armee mit. Demnach wurden mehrere Waffenlager zerstört.

Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich entschlossen, die Offensive in Syrien zum Abschluss zu führen, und kündigte an, "keinen Schritt" zurückzuweichen. Die türkische Offensive in Afrin ist brisant für die USA, da sie die YPG im Kampf gegen den IS unterstützt. Die Türkei dagegen betrachtet die YPG als syrischen Zweig der PKK und damit als Terrororganisation.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Januar 2018 um 20:00 Uhr.

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