Flughafen Istanbul-Atatürk | Bildquelle: REUTERS

"Willkürliche Verhaftungen" Türkei warnt vor Reisen in die USA

Stand: 12.01.2018 14:26 Uhr

Diplomatischer Schlagabtausch zwischen Ankara und Washington: Offenbar als Reaktion auf die Einstufung als riskantes Reiseland durch die USA hat das türkische Außenministerium vor Fahrten in die Vereinigten Staaten gewarnt. Dort drohten Anschläge und willkürliche Verhaftungen.

Die türkische Regierung warnt ihre Bürger vor Reisen in die USA. Das Außenministerium verwies auf die Gefahr durch Terroranschläge und durch "willkürliche Verhaftungen" von Türken in den Vereinigten Staaten, die auch Beamte auf Dienstreisen treffen könnten.

Das türkische Außenministerium reagierte damit offenbar auf ein neues System von US-Reisehinweisen, in denen die Türkei in die zweithöchste Gefahrenstufe eingeordnet wird. Das State Department riet insbesondere von Reisen in das türkisch-syrische Grenzgebiet und in den Südosten der Türkei ab. In dem US-Hinweis wird allgemein dazu aufgerufen, Reisen in die Türkei "wegen Terrorismus und willkürlichen Festnahmen" zu überdenken. Die sehr ähnlichen Formulierungen sind vermutlich kein Zufall.

Ähnlich verfuhr die Türkei im Visastreit mit den USA, der Ende Dezember beigelegt worden wurde. Nach der Festnahme von einheimischen Mitarbeitern von US-Konsulaten hatten die Vertretungen der USA in der Türkei mitgeteilt, die Ausgabe von Visa zu stoppen. Das türkische Außenministerium hatte daraufhin in einer fast wortgleichen Erklärung mitgeteilt, die Visavergabe bei türkischen Vertretungen werde ebenfalls gestoppt.

Diplomat einbestellt - schon wieder

Nach der US-Reisewarnung hatte das Außenministerium in Ankara den US-Geschäftsträger einbestellt. Zuvor war er am Dienstag ins Ministerium berufen worden, um gegen die US-Militärhilfe in Nordsyrien für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu protestieren, die Ankara als Ableger der Terrororganisation PKK betrachtet.

Viele Streitpunkte

Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind nicht nur wegen der unterschiedlichen Ansichten im Syrien-Krieg angespannt. Außerdem löste die US-Anerkennung von Jerusalem als israelische Hauptstadt Verbitterung in der türkischen Regierung aus.

Belastend ist auch ein Urteil eines New Yorker Gerichts, das den türkischen Banker Mehmet Hakan Atilla Anfang Januar der Verletzung der US-Sanktionen gegen den Iran für schuldig befunden hatte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte das Urteil gegen den Halkbank-Vize als Teil einer "Verschwörung" gegen die Türkei. In dem Prozess waren Erdogan und ein früherer Minister persönlich belastet worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Januar 2018 um 20:00 Uhr.

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