Machtkampf in der Türkei: Gewalt und Generalstreik

Wasserwerfer in Ankara  (Bildquelle: AP)

Machtkampf in der Türkei

Gewalt und Generalstreik

Wieder Straßenschlachten in der Türkei: In mehreren Städten ist die Polizei in der Nacht erneut gegen Demonstranten vorgegangen. Erstmals sollen auch Anhänger der Regierung direkt Demonstranten angegriffen haben. Mehrere Gewerkschaften haben für heute zum Generalstreik aufgerufen.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Wieder haben sich Polizisten und Demonstranten bis in die Nacht hinein Straßenschlachten geliefert, nicht nur in Istanbul, sondern auch in vielen anderen Städten der Türkei, in Adana im Süden, in Izmir und auch in der Hauptstadt Ankara. "Wir haben keine Angst", rufen protestierende Frauen dort. Eine junge Frau mit Baustellenhelm und Atemmaske fordert: "Wir wollen, dass der Diktator Ministerpräsident abtritt." Die Polizisten in Ankara sprühen immer wieder Pfefferspray in die Menge und jagen Demonstranten mit dem Wasserwerfer durch die Straßen.

Türkische Polizei geht weiterhin hart gegen Demonstranten vor
tagesschau 12:00 Uhr, 17.06.2013, Jens Eberl, ARD Istanbul

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"Erdogan zettelt einen Bürgerkrieg an"

Ein ähnliches Bild in Istanbul. Wer den Taksim-Platz betritt, so hatte Europaminister Egemen Bagis gedroht, wird wie ein Terrorist behandelt. An diese Vorgabe hielt sich die Polizei, machte im Istanbuler Kneipenviertel Beyoglu mit Wasserwerfern Jagd auf alle, die regierungsfeindliche Parolen riefen. Die Polizei nahm Dutzende Menschen fest, darunter auch Ärzte, die verletzte Demonstranten behandelt hatten. Özdemir Aktan vom Ärzte-Verband ist empört: "Ministerpräsident Erdogan zettelt hier einen Bürgerkrieg an. Das aber wollten auch die Leute nicht, die ihn gewählt haben, jetzt schafft er ein System der Unterdrückung."

Wieder Unruhen in der Türkei bis in die Nacht
T. Bormann, ARD Istanbul
17.06.2013 05:16 Uhr

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Erdogan lässt sich von Anhängern feiern

An Erdogan prallt all die Kritik ab. Er ließ sich gestern bei einer Großkundgebung am Rande der Istanbuler Innenstadt feiern - von Hunderttausenden Anhängern seiner Partei, der islamisch-konservativen AKP. Fast zwei Stunden lang sprach Erdogan auf seiner Bühne, mal mit sanftem Ton, mal aber überschlug sich seine Stimme. Und immer waren seine Anhänger begeistert dabei. "Ich habe selbst den Befehl zur Räumung des Gezi-Parks gegeben", sagte er. Denn der Park gehöre allen Istanbulern und nicht nur einer Minderheit. Erdogan warf ausländischen Medien vor, ein falsches Bild der Türkei zu zeichnen und schwor seine Parteifreunde darauf ein, den harten Kurs fortzusetzen.

Pro-Erdogan-Demonstration in Istanbul (Bildquelle: AFP)
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Pro-Erdogan-Demonstration in Istanbul

Erdogan ist sich sicher, dass die Mehrheit der türkischen Bevölkerung nach wie vor hinter ihm steht. Wer die Mehrheit hat, bestimmt, wo es langgeht, selbst wenn es nur um den Bau eines Einkaufszentrums in der Istanbuler Innenstadt geht. So läuft das im System Erdogan. Für Widerspruch, für Kompromisse ist da kein Platz.

Die Türkei steuert somit weiter auf Konfrontation zu: Auch heute wollen Erdogan-Gegner wieder protestieren - und einige Gewerkschaften haben zum Streik gegen die Regierung aufgerufen.

Stand: 17.06.2013 05:35 Uhr

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