Gezi-Park: Machtkampf in Istanbul geht in nächste Runde

Eine Polizeipatrouille in Istanbul (Bildquelle: dpa)

Demos von Anhängern und Gegnern Erdogans

Keine Atempause in Istanbul

Die türkische Polizei und Demonstranten liefern sich in Istanbul erneut Straßenkämpfe. Auf der zum Taksim-Platz führenden Einkaufsstraße Istiklal Caddesi setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein, berichteten Augenzeugen. Demonstranten warfen Steine und skandierten Sprechchöre gegen die Regierung.

Demonstranten in Istanbul (Bildquelle: dpa)
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Erneut geht die Polizei in Istanbul mit Tränengas gegen Demonstranten vor.

Die Protestierenden versuchen, sich an verschiedenen Punkten in der Innenstadt zu sammeln, um auf den Taksim-Platz vorzudringen. Sicherheitskräfte gehen gegen sie vor, um dies zu verhindern. Laut ARD-Korrespondent Michael Schramm spielten sich rund um den Taksim-Platz "regelrechte Hetzjagden" ab.

Roth in Istanbul: Neue Eskalation am Abend

Grünen-Chefin Claudia Roth, die ebenfalls vor Ort in Istanbul ist, befürchtet für den Abend eine weitere Eskalation. "Es riecht schon wieder nach Tränengas", sagte sie im "Bericht aus Berlin". Von der Bundesregierung erwarte sie "sehr, sehr klare Worte und harte Kritik an der brachialen Gewalt", mit der die Erdogan-Regierung gegen Demonstranten vorgehe.

Interview mit Claudia Roth (Grüne)
Bericht aus Berlin 18:00 Uhr, 16.06.2013

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Erdogan: "Wir überlassen den Platz keinen Terroristen"

Als Reaktion auf die Protestwelle versammelten sich Zehntausende Anhänger der Regierungspartei in dem Istanbuler Stadtteil Zeytinburnu. Erdogan verteidigte die gewaltsame Räumung des Gezi-Parks. Es sei seine "Aufgabe als Regierungschef" gewesen, die Räumung anzuordnen, nachdem die Demonstranten alle Aufrufe missachtet hätten, sagte Erdogan vor Zehntausenden Anhängern seiner konservativ-islamischen AKP. Daher seien "Taksim-Platz und Gezi-Park gesäubert" worden. "Wir überlassen den Platz keinen Terroristen", fügte er hinzu.

Zudem warf Erdogan internationalen Medien vor, sie berichteten falsch über sein Land. Die britische BBC, der US-Nachrichtensender CNN und die Nachrichtenagentur Reuters betrieben Desinformation. In den vergangenen Tagen hatten bereits einige Tageszeitungen aus dem religiösen Spektrum Stimmung gegen ausländische Medien gemacht.

Gezi-Park gestürmt

Am Samstagabend hatte die Polizei den seit zwei Wochen von Demonstranten besetzten Gezi-Park gestürmt. Unter dem massiven Einsatz von Tränengas räumten Polizisten den Park binnen weniger Minuten. Mit Wasserwerfern verfolgten sie die Demonstranten noch in die Lobbys der angrenzenden Hotels, in die sie sich geflüchtet hatten.

Ministerpräsident Erdogan bleibt auf Konfrontationskurs mit Demonstranten
tagesschau 20:00 Uhr, 16.06.2013, Hilde Stadler, ARD Istanbul

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Die Polizei riegelte Taksim-Platz und Gezi-Park ab, alle Spuren der gewaltsamen Nacht wurden beseitigt. Erstmals seit Beginn der Proteste Ende Mai wurde auch eine der Bosporus-Brücken für Demonstranten aus dem asiatischen Teil der Stadt gesperrt. In der Hauptstadt Ankara sowie in Izmir beteiligten sich Tausende Menschen an nächtlichen Solidaritäts-Kundgebungen.

Zahlreiche Verletzte

Nach Angaben des Istanbuler Protestbündnisses wurden seit Samstagabend Hunderte Demonstranten verletzt. Gouverneur Mutlu sprach von 44 Verletzten. Nur Stunden vor dem Polizeieinsatz im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz hatte Ministerpräsident Erdogan den Demonstranten ein Ultimatum gestellt, bis Sonntag abzuziehen. Die Polizei stürmte den Park allerdings am Samstagabend.

Michael Schramm, ARD Istanbul, zur aktuellen Lage in Istanbul
tagesschau 20:00 Uhr, 16.06.2013

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Stand: 16.06.2013 20:47 Uhr

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