Merkel auf Pressekonferenz mit Davutoglu | Bildquelle: REUTERS

Nach Treffen von Merkel mit Davutoglu NATO-Einsatz gegen Schlepper?

Stand: 08.02.2016 17:14 Uhr

Wie kann man die Flüchtlingssituation in den Griff bekommen? Darüber haben Bundeskanzlerin Merkel und der türkische Ministerpräsident Davutoglu beraten. Sie wollen unter anderem die Seeüberwachung stärken - vielleicht auch mit Hilfe der NATO.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sind sich einig: In der Flüchtlingskrise muss das Seegebiet zwischen der Türkei und Griechenland im Kampf gegen Schlepper besser überwacht werden. Dabei helfen könnte nach ihrer Vorstellung auch die NATO. Details könnten und sollten die Verteidigungsminister des Militärbündnisses in den kommenden Tagen klären.

Um den Zustrom von Flüchtlingen nach Europa zu bremsen, vereinbarten Merkel und Davutoglu weitere Schritte. So soll die Zusammenarbeit zwischen türkischer Küstenwache, Griechenland und der EU-Grenzschutzagentur Frontex verbessert werden. Nach Angaben der Bundeskanzlerin ist auch eine engere deutsch-türkische Zusammenarbeit beim Kampf gegen illegale Schlepperbanden vorgesehen. Die Türkei werde "zusammen mit deutschen Polizisten die Grenzen sichern und Schleuser bekämpfen", sagte Davutoglu.

Merkel setzt auf Zusammenarbeit mit der Türkei
tagesschau 20:00 Uhr, 08.02.2016, Michael Schramm, ARD Istanbul, zzt. Ankara

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Beide Regierungschefs kündigten eine diplomatische Initiative an, damit die jüngsten Angriffe auf die Zivilbevölkerung im Norden Syriens beendet werden. Merkel erklärte, sie sei entsetzt über das Leid, das die russischen Luftangriffe der vergangenen Tage in der Region verursacht hätten.

Nach Einschätzung Davutoglus wird das syrische Aleppo de facto belagert. "Wir stehen an der Schwelle einer menschlichen Tragödie", sagte Davutoglu. Inzwischen warten nach Angaben der türkischen Behörden bis zu 35.000 weitere syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei. Davutoglu kündigte an, auch diese Menschen aufzunehmen, falls das nötig werde. Die Bundeskanzlerin betonte, auch künftig würden syrische Flüchtlinge in die EU und damit auch nach Deutschland kommen - "kontrolliert, legal und von uns organisiert". Die Menschen sollten über ein Kontingentsystem in Europa verteilt werden.

"Jetzt geben wir erstmal das Geld aus"

Die Türkei spielt eine zentrale Rolle bei den Bemühungen der EU, den Flüchtlingsstrom Richtung Westeuropa zu reduzieren. Ein im November zwischen Brüssel und Ankara vereinbarter Plan verlangt von der Türkei eine bessere Grenzsicherung, um die ungesteuerte Einwanderung in die EU zu beenden.

Im Gegenzug soll die türkische Regierung drei Milliarden Euro bekommen, um die etwa 2,5 Millionen syrischen Flüchtlinge im Land zu versorgen. Merkel sagte, das Geld sei verfügbar und solle rasch fließen - ob Ankara darüberhinaus noch mehr brauche, werde man sehen. "Jetzt, würde ich sagen, geben wir erstmal das Geld aus. Wenn es alle ist, können wir auch wieder neu sprechen", erklärte die Kanzlerin vor einem anschließenden Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Darstellung: