Tränengaseinsatz in Istanbul

Polizei löst Homosexuellen-Demo gewaltsam auf

Stand: 19.06.2016 19:36 Uhr

In Istanbul hat die Polizei eine Homosexuellen-Demonstration mit rund 150 Teilnehmern gewaltsam aufgelöst. Dabei sollen die Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt haben. Laut türkischen Medienberichten wurden zwei Demonstranten festgenommen.

Nach dem Verbot der Gay-Pride-Parade in Istanbul ist die Polizei in der türkischen Metropole gewaltsam gegen einige Dutzend Teilnehmer einer Demonstration für die Rechte Homosexueller vorgegangen. Die Beamten setzten nach Angaben eines AFP-Fotografen Gummigeschosse und Tränengas ein, um die Kundgebung aufzulösen.

Etwa 50 Anhänger der Homosexuellen-Bewegung und rund hundert Unterstützer nahmen an der Demonstration in der Nähe des Taksim-Platzes im Zentrum Istanbuls teil. Sie sahen sich einem Sicherheitsaufgebot von mehreren Hundert Spezialkräften gegenüber. Als die Polizisten gewaltsam gegen die Demonstranten vorgingen, flohen diese in die umliegenden Gassen. Laut türkischen Medienberichten wurden zwei Demonstranten festgenommen.

Zuvor hatten sich die Demonstranten vor einem Büro der Homosexuellen-Bewegung nahe dem Taksim-Platz versammelt und dort die Regenbogenfahne aufgehängt - das Symbol der Bewegung der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT). Ein Aktivist wurde von einem Polizisten daran gehindert, vor den anwesenden Journalisten eine Erklärung zu verlesen.

"Wir wollen solche Leute hier nicht"

Vor der LGBT-Demonstration waren laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Dogan rund ein Dutzend Homosexuellen-Gegner zum Taksim-Platz vorgedrungen. Sie seien von den Sicherheitskräften festgenommen worden. Einer der Demonstranten habe "Wir sind Ottomanen, wir wollen hier solche Leute nicht", gerufen.

Die Demonstration mit dem Titel "Trans Pride" fand im Zusammenhang mit der beginnenden LGBT-Woche in der Türkei statt, in deren Rahmen zahlreiche Veranstaltungen geplant sind. Die Istanbuler Behörden hatten am Freitag bekanntgegeben, die für den kommenden Sonntag als Höhepunkt der LGBT-Woche geplante Gay-Pride-Parade zu verbieten. Sie begründeten dies mit Sicherheitsbedenken, LGBT-Aktivisten werteten das Verbot als verfassungswidrig.

Erst am Samstag war die Polizei in Istanbul gewaltsam gegen eine Demonstration vorgegangen, bei der gegen die Stürmung eines Plattenladens durch Islamisten protestiert wurde. Die rund 500 Demonstranten wurden von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen auseinander getrieben.