Ausschreitungen in der Türkei | Bildquelle: AFP

Einsatz gegen Kurden im Südosten Zehntausende fliehen vor Kämpfen in der Türkei

Stand: 22.12.2015 22:06 Uhr

In der Südosttürkei sind offenbar Zehntausende auf der Flucht vor den Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und kurdischen Kämpfern. Menschenrechtlern zufolge fehlt es in einigen Stadtvierteln an Strom, Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung.

Wegen des Einsatzes türkischer Sicherheitskräfte gegen kurdische Kämpfer leidet die Bevölkerung im Südosten der Türkei. Medienberichten zufolge sind inzwischen Zehntausende auf die Flucht. Im Altstadtviertel Sur von Diyarbakir, wo seit drei Wochen eine strikte Ausgangssperre gilt, verließen viele Menschen ihre Häuser, meldete der Sender CNN Türk unter Berufung auf Angaben der Opposition.

Demonstration in Diyarbakir aufgelöst

In Diyarbakir ging die Polizei gegen Demonstranten vor, die gegen die Ausgangssperre demonstrierten. Mehrere Tausend Menschen hätten versucht, in den Stadtteil Sur vorzudringen, berichtete ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP. Als einige Demonstranten Steine auf die Polizisten warfen, setzten diese Tränengas und Wasserwerfer ein. Unter den Demonstranten waren auch mehrere Abgeordnete.

Proteste in Diyarbakir | Bildquelle: dpa
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In Diyarbakir ging die Polizei gegen Kurden vor, die gegen die Ausgangssperre demonstrierten.

Ohne Strom, Wasser und Lebensmittel

Die türkische Armee hatte die Großoffensive gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor einer Woche begonnen. Außer in Diyarbakir gibt es heftige Kämpfe in den Städten Cizre und Silopi.

Die Organisation Human Rights Watch (HRW) berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, Verwundete hätten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Polizisten würden Menschen davon abhalten, Verwundete in Krankenhäuser zu bringen. Es gebe ganze Viertel in den mit Ausgangssperren belegten Städten, in denen Menschen ohne Wasser, Strom und Zugang zu Lebensmitteln seien. Dort würden auch Panzer und Artillerie gegen Barrikaden der PKK-Jugendorganisation YDG-H eingesetzt.

HRW forderte, dass die Sicherheitskräfte die medizinische Versorgung nicht verhinderten. YDG-H-Kämpfer müssten damit aufhören, Stadtviertel mit Gräben, Barrikaden und Sprengsätzen gegen Sicherheitskräfte abzuriegeln.

Human Rights Watch sprach unter Berufung auf örtliche Menschenrechtsgruppen von mehr als 100 Zivilisten, die seit Wiederaufnahme der Kämpfe im Juli getötet wurden. In den kommenden Tagen müsse mit weiteren Toten gerechnet werden.

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