Demonstranten in Istanbul mit türkischen und katarischen Flaggen | Bildquelle: REUTERS

Krise in der Golfregion Türkei steht zu Katar - auch militärisch

Stand: 08.06.2017 11:01 Uhr

Im Konflikt zwischen Katar und seinen Nachbarn stellt sich die Türkei hinter das Golf-Emirat - indem das Parlament die Stationierung von Truppen in dem Land beschloss. Mitauslöser des Streits war aus Sicht Katars eine von Hackern gefälschte Nachricht.

Inmitten der diplomatischen Krise um Katar am Persischen Golf baut die Türkei die militärische Zusammenarbeit mit dem Emirat aus. So beschloss das türkische Parlament die Stationierung von Truppen in Katar. Die Abgeordneten billigten ein Verteidigungsabkommen mit dem Golf-Emirat. Angaben zur konkreten Zahl der zu stationierenden Soldaten oder zum Zeitpunkt der Stationierung sind in dem Abkommen bislang nicht enthalten. Zudem will die Türkei demnach Sicherheitskräfte des Emirats ausbilden. Das Abkommen sehe auch gemeinsame Übungen der Streitkräfte beider Länder vor. Es war bereits vor der Krise zwischen den arabischen Staaten am Golf auf den Weg gebracht worden.

Türkei unterstützt Katar

Das Vorgehen der Türkei wird als Zeichen der Unterstützung Katars gewertet. Das kleine Emirat am Golf steht derzeit im Zentrum einer schweren diplomatischen Krise, nachdem Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate Anfang der Woche ihre diplomatischen Beziehungen zu ihm abbrachen. Sie werfen Doha vor, Extremistengruppen in der Region zu unterstützen. Zudem sind sie unzufrieden, dass Katar ihren Kurs zur Isolation des Iran nicht mitträgt.

Die Türkei unterhält gute Beziehungen zu Katar, aber auch zu anderen Golfstaaten. In Katar verfügt die Türkei über eine Militärbasis, auf der bislang 80 Soldaten stationiert sind. Letztlich könnten es aber bis zu 3000 werden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich kritisch zu den Sanktionen gegen Katar geäußert. Die Türkei werde ihre Verbindungen zu Katar weiter entwickeln.

Gefälschte Nachricht als Konfliktursache?

Die diplomatische Krise war aus Sicht Katars unter anderem durch eine gefälschte Nachricht angeheizt worden - nun hat Katar einen ersten Bericht über den mutmaßlichen Hackerangriff auf seine staatliche Nachrichtenagentur veröffentlicht. Die Website der katarischen Nachrichtenagentur sei erstmals im April mit "hochwertiger Technik und innovativen Methoden" gehackt worden, erklärte das katarische Innenministerium.

Ende Mai hätten Hacker dann eine Datei installiert und anschließend eine gefälschte Nachricht veröffentlicht, gab das Land bekannt. Darin äußerte sich der Emir Katars, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, kontrovers über den Iran und Israel. Medien in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten hatten die Nachricht sofort übernommen. Das Ministerium machte keine Angaben dazu, wer seiner Meinung nach hinter dem Angriff stecken könnte.

Der US-Sender CNN sprach dagegen von einem russischen Hackerangriff. Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani sagte CNN, das FBI habe den Hackerangriff und die "Fake News"-Geschichte bestätigt. Moskau wies die Vorwürfe zurück.

USA wollen vermitteln

Nun wollen die USA in der Krise zwischen mehreren arabischen Staaten und Katar vermitteln. US-Präsident Donald Trump habe "seine Hilfe angeboten", damit die Konfliktparteien "ihre Differenzen beilegen", erklärte das Weiße Haus. Trumps Vermittlungsangebot schließe - "falls erforderlich" - auch ein Treffen im Weißen Haus ein, hieß es in der Erklärung aus Washington weiter.

Das Weiße Haus äußerte sich nach einem Telefonat des Präsidenten mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani. Dabei habe er dem Emir von Katar in der diplomatischen Krise seine Unterstützung angeboten. Bereits am Dienstag hatte Trump in einem Gespräch mit dem saudiarabischen König Salman die Notwendigkeit der Einheit der Golfstaaten betont, wie das Weiße Haus mitteilte. Kurz zuvor hatte Trump den Konflikt um Katar noch durch Twitter-Nachrichten angefacht, indem er den Boykott als positives Resultat seiner Nahost-Politik beschrieb.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2017 um 05:40 Uhr und tagesschau24 am 08. Juni 2017 um 10:00 Uhr.

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