Türkische Polizisten einer Anti-Terror-Einheit vor einem Fahrzeug. | Bildquelle: AP

Razzien in der Türkei Mehr als 400 IS-Verdächtige festgenommen

Stand: 05.02.2017 16:24 Uhr

Einen Monat nach dem Anschlag auf den Nachtclub Reina in Istanbul hat die türkische Polizei bei landesweiten Razzien mehr als 400 mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen. Ein Großteil von ihnen soll Ausländer sein. Sie sollen Anschläge geplant haben.

Bei landesweiten Razzien sind in der Türkei mehr als 400 mutmaßliche Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) festgenommen worden. Der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge handelt es sich bei den Festgenommenen überwiegend um Ausländer. Ihnen wird die Planung von Angriffen in der Türkei vorgeworfen.

Allein in der Stadt Sanliurfa im Südosten der Türkei wurden Dogan zufolge 150 Verdächtige festgenommen, in der nahegelegenen Stadt Gaziantep nahe der syrischen Grenze waren es 47 Verdächtige. In der Hauptstadt Ankara gab es bei Razzien in vier Bezirken mit insgesamt 60 Festnahmen.

Festnahmen auch in Izmir und Istanbul

Auch in der eigentlich ruhigen Stadt Izmir an der Ägäisküste gab es neun Festnahmen - den Verdächtigen wurde Anadolu zufolge vorgeworfen, nach Syrien gereist zu sein und in der Stadt Anschläge geplant zu haben. Festnahmen gab es auch in Istanbul selbst und in der Nachbarprovinz Kocaeli. Dutzende wurden in anderen Provinzen festgenommen - von Bursa im Westen bis Bingol im Osten.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Laut Behörden befanden sich schon vor den Razzien vom Wochenende mindestens 780 Menschen in Haft, weil sie Verbindungen zum IS haben sollen. 350 von ihnen sollen Ausländer sein.

IS hatte sich zu Anschlag auf Nachtclub bekannt

Die Razzien erfolgten mehr als einen Monat nach dem tödlichen Anschlag auf einen Istanbuler Nachtclub in der Silvesternacht, bei dem 39 Menschen getötet worden waren. Der IS bekannte sich zu der Attacke. Der mutmaßliche Attentäter hatte angegeben, auf direkte Anweisung der Terrormiliz gehandelt zu haben.

Unterdessen meldet die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, der IS habe die umkämpfte Stadt Basaah nahe dem wichtigen Zentrum Al-Bab in Nordsyrien von protürkischen Rebellen zurückerobert. Über Al-Bab liefen vor wenigen Monaten noch die Nachschubewege des IS in die Türkei.

Anadolu berichtete, die türkische Luftwaffe habe in den vergangenen 24 Stunden Luftschläge in der Region Al-Bab geflogen. 33 IS-Kämpfer seien "neutralisiert" - also getötet, verletzt oder gefangen genommen worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Februar 2017 um 17:15 Uhr.

Darstellung: