Ein Gefängnis in der Türkei

Nach Putschversuch in der Türkei Offenbar drei weitere Deutsche in Haft

Stand: 23.06.2017 15:12 Uhr

Die Zahl der nach dem Putschversuch in der Türkei vor knapp einem Jahr festgenommenen Deutschen hat sich offenbar von sechs auf neun erhöht. Darunter sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes sieben Männer und zwei Frauen.

In der Türkei sitzen in Folge des gescheiterten Putsches vor einem Jahr offenbar mehr Deutsche oder Deutsch-Türken im Gefängnis als bislang bekannt. Das Auswärtige Amt gehe inzwischen von neun statt von den bislang bekannten sechs Fällen aus, so Ministeriumssprecher Martin Schäfer. In einem der neuen Fälle sei die Staatsangehörigkeit noch nicht ganz geklärt.

Die genauen Vorwürfe nannte Schäfer nicht. Sie stünden aber im Zusammenhang mit dem Umsturzversuch vom Juli 2016. Er könne nicht ausschließen, dass unter den Verhafteten auch Journalisten seien, sagte der Sprecher.

Außenministerium wurde nicht offiziell informiert

Die Informationen zu allen drei Fällen seien neu - und zum Teil unbestätigt, sagte Schäfer. Er kritisierte, dass sein Ministerium in zwei der drei neuen Fälle nicht von der türkischen Regierung unterrichtet worden sei und dass die deutsche Botschaft bisher keinen der drei Festgenommenen besuchen konnte.

Die Informationen zu den Festnahmen hätten die deutschen Behörden teilweise auf informellen Wegen erreicht - etwa über die Familie der Vermissten. Das festnehmende Land hat nach dem Völkerrecht die Pflicht, die Auslandsvertretung des Herkunftsstaates zu informieren. "Wir gehen dem mit Hochdruck nach, weil uns das Schicksal dieser Menschen am Herzen liegt", beteuerte der Sprecher.

Deniz Yücel
galerie

"Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sitzt seit Mitte Februar im Gefängnis.

Ein Mann hält ein Schild in den Händen, auf dem die Freilassung der in der Türkei inhaftierten Mesale Tolu Corlu gefordert wird. | Bildquelle: dpa
galerie

Im April wurde die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu festgenommen.

Zu den bekanntesten dieser Inhaftierten zählen der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel, der Mitte Februar festgesetzt wurde, und die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu. Bei den drei neuen Fällen handelt es sich den Angaben Schäfers zufolge um einen Deutsch-Türken, der seit Ende Mai in Haft ist. Ein Antrag auf Haftbesuch von deutscher Seite sei abgelehnt worden.

Hinzu komme eine deutsche - und mutmaßlich auch türkische - Staatsangehörige, die seit der zweiten Juni-Woche in Haft sei. Auch hier werde versucht, Zugang zu der Betroffenen zu bekommen. Der dritte Fall sei ein Deutscher, der vor wenigen Tagen in Istanbul festgenommen worden sein soll.

Angespanntes Verhältnis zusätzlich belastet

Die Fälle Yücel und Tolu, aber auch die anderen Inhaftierungen haben das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland zusätzlich belastet. Die Lage sei im Laufe der vergangenen zwei Wochen eher schlechter geworden als besser, sagte Schäfer. Hinzu komme, dass sich weder im Fall des inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel noch im Fall der Journalistin Mesale Tolu eine baldige Hauptverhandlung zur Klärung der Vorwürfe abzeichne.

Die fortwährende Untersuchungshaft sei problematisch, wenn nicht gar rechtswidrig, sagte Schäfer. Er versicherte zugleich, das Ministerium bemühe sich "mit allem Nachdruck" darum, die konsularische Betreuung der Inhaftierten sicherzustellen.

Über dieses Thema berichteten am 23. Juni 2017 Deutschlandfunk um 13:19 Uhr und MDR aktuell um 14:11 Uhr.

Darstellung: