Nuriye Gülmen mit Unterstützern | Bildquelle: AFP

Prozess in der Türkei Hungerstreikende Frau verurteilt, aber frei

Stand: 02.12.2017 02:15 Uhr

Die Dozentin Gülmen und der Lehrer Özakca sind in der Türkei zum Symbol des Protestes gegen die Massenentlassungen von Staatsdienern geworden. Seit März sind sie im Hungerstreik, seit Mai in U-Haft. Özakca wurde vom Terrorvorwurf freigesprochen, Gülmen verurteilt. Auch sie kommt aber frei.

Ein Gericht in der Türkei hat die hungerstreikende Wissenschaftlerin Nuriye Gülmen zu einer Haftstrafe verurteilt, zugleich aber ihre vorübergehende Freilassung angeordnet. Nach Angaben ihres Anwalts befand das Gericht in Ankara die Literaturdozentin der Mitgliedschaft in einer verbotenen linksextremen Gruppierung schuldig. Sie wurde deshalb zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Allerdings kommt sie jetzt - mit Blick auf einen Revisionsprozess - aus der Untersuchungshaft frei .

Sogar Staatsanwalt für Freilassung

Vergangenen Montag hatte das Gericht die Entlassung Gülmens aus der U-Haft noch abgelehnt, obwohl sogar die Staatsanwaltschaft für die Freilassung der stark geschwächten Angeklagten plädiert hatte. Sie befindet sich seit September im Krankenhaus auf der Intensivstation.

Der zusammen mit Gülmen angeklagte Grundschullehrer Semih Özakca wurde freigesprochen. Er hatte schon am dritten Prozesstag das Krankenhausgefängnis unter Auflagen verlassen dürfen.

Über Monate auf Platz in Ankara protestiert

Nuriye Gülmen (Mitte) auf einem Foto aus dem Mai 2017 | Bildquelle: AFP
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Nuriye Gülmen (Mitte) auf einem Foto aus dem Mai 2017 - am 64. Tag ihres Hungerstreiks.

Gülmen und Özakca gehören zu mehr als 150.000 Staatsbediensteten, die nach dem Putschversuch vom Juli 2016 per Notstandsdekret entlassen oder suspendiert wurden. Sie sind in der Türkei zum Symbol des Protests gegen die Massenentlassungen geworden. Über Monate hatten sie auf einem Platz in Ankara gegen ihre Entlassung protestiert, bevor sie am 9. März in den Hungerstreik traten.

Nachdem die Aktion in Ankara zunehmende Aufmerksamkeit auch außerhalb der Türkei auf sich gezogen hatte, waren Gülmen und Özakca im Mai in Untersuchungshaft genommen worden - unter dem Vorwurf zur verbotenen DHKP-C zu gehören. Gülmen und Özakca weisen die Vorwürfe zurück und werfen der Justiz vor, sie durch das Verfahren zum Schweigen bringen zu wollen.

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2017 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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