Flughafen in Antalya | Bildquelle: picture alliance / Sergei Bobyle

Nach Festnahme in Antalya Freigelassene Deutsche wieder zurück

Stand: 05.09.2017 05:00 Uhr

Die Festnahme hatte für diplomatische Spannungen gesorgt: Nun ist die in der Türkei freigelassene Deutsche nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" wieder in Deutschland. Anders ihr Mann: Er wird offenbar durch eine anonyme Mail belastet.

Von Andreas Spinrath, WDR

Die am Donnerstag im türkischen Antalya festgenommene Deutsche ist wieder in Deutschland eingetroffen. Ihrer Inhaftierung war offenbar ein schriftlicher Hinweis an die türkischen Behörden vorausgegangen - darin behauptet eine anonyme Quelle, dass der Mann seit vielen Jahren Anhänger der sogenannten Gülen-Bewegung sei.

Offenbar war in der Mail zudem der genaue Einreisezeitpunkt des Ehepaars in die Türkei vermerkt gewesen. Das ergeben Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung".

Bei den beiden Deutschen handelt es sich um ein Ehepaar aus Rheinland-Pfalz. Sie haben türkische Wurzeln, besitzen nach eigenen Angaben jedoch nur die deutsche Staatsangehörigkeit. Der türkische Außenminister Mevlut Cavosoglu hatte am Samstag behauptet, dass der Mann auch türkischer Staatsbürger sei.

Offenbar waren das Paar in diesem Jahr schon mehrfach ohne Probleme in die Türkei gereist, zuletzt vor wenigen Wochen. Nun wird ihnen eine Nähe zur Gülen-Bewegung vorgeworfen.

Freilassung ohne Auflagen: ungewöhnlich

Am Sonntag hatte der ermittelnde Staatsanwalt dann die Vorwürfe gegen die Frau fallengelassen. Ihre Rückreise nach Deutschland ist ungewöhnlich: Sie wurde "ohne Auflagen" freigelassen, hatte also beispielsweise kein Ausreiseverbot erhalten. Das war zuvor in vergleichbaren Fällen geschehen. So dürfen 25 Deutsche, die zum Teil nach dem Putschversuch vom vergangenen Juli zeitweise inhaftiert waren, die Türkei derzeit nicht verlassen.

Die Freilassung der Frau hatte das Auswärtige Amt am Montag verkündet und sprach von einer "positiven Neuigkeit". Der Sprecher des Auswärtigen Amts hatte weiter erklärt, dass deutsche Konsularbeamte noch immer keinen Zugang zu dem nun noch festgehaltenen Mann erhalten hätten. Das sehe das Wiener Übereinkommen jedoch vor. Er räumte zudem ein, dass auch die türkischen Behörden noch am Donnerstag über die Festnahme unterrichtet hätten.

Die Festnahme des Paars hatte am Freitag für massive Reaktionen von Politikern aller Parteien gesorgt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass die Festnahme wie in den "allermeisten Fällen keinerlei Grundlage" habe. Mit den "Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit" habe das Vorgehen nichts gemein.

Viele andere Deutsche weiter in türkischer Haft

Zählt man die Festnahme des Ehepaars dazu, befinden sich derzeit insgesamt 55 Deutsche in der Türkei in Haft oder in Polizeigewahrsam - zwölf von ihnen wegen politischer Vorwürfe.

Die prominentesten Fälle sind die des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel - er sitzt seit mehr als 200 Tagen im Gefängnis - sowie der Journalistin Mesale Tolu und des Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner. Tolu wurde Ende April festgenommen, Steudtner Anfang Juli.

Auch deshalb wird derzeit öffentlich diskutiert, ob man von Seiten des Auswärtigen Amtes die erst kürzlich geänderten Reisehinweise zur Türkei weiter verschärfen müsse.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. September 2017 um 06:15 Uhr.

Darstellung: