Türkische Sicherheitskräfte führen die zwei festgenommenen griechischen Soldaten ab. | Bildquelle: dpa

Nach Grenzübertritt in die Türkei Griechische Soldaten vor Gericht

Stand: 05.03.2018 05:05 Uhr

Am Donnerstag sind zwei griechische Soldaten in der Türkei festgenommen worden - heute beginnt ihr Prozess. In Griechenland befürchtet man, dass sie als Faustpfand für einen Tauschhandel dienen sollen.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Kurze Videoaufnahmen sind am Wochenende im griechischen Fernsehen zu sehen: Sie zeigen die beiden in der Türkei festgenommenen und inhaftierten griechischen Soldaten, wie sie mit über den Kopf gezogenen Uniform-Kapuzen eine Treppe hinunter geführt werden - bewacht von türkischer Polizei.

Die Aufnahmen sorgen bei vielen Griechen für ein äußerst mulmiges Gefühl. In der Stadt Edirne warten die beiden festgenommenen Griechen auf ihren Prozess. Der soll am heutigen Montag beginnen. So berichten es griechische Medien - von türkischer Seite gibt es dazu keine Bestätigung.

Angehörige der am Donnerstag festgenommenen griechischen Soldaten sind am Wochenende ins türkische Edirne gefahren, um den möglichen Prozessbeginn zu verfolgen. Auch ein griechischer Militärattaché soll vor Ort sein.

Selber zu illegalen Migranten geworden

Am Donnerstag waren die beiden griechischen Grenzsoldaten bei schlechter Sicht auf türkisches Gebiet geraten. Nach eigenen Angaben hatten sie Spuren im Schnee verfolgt, auf der Suche nach Migranten, die illegal über die Grenze nach Griechenland flüchten wollten.

Nun müssen sich die beiden griechischen Soldaten selbst wegen illegalen Grenzübertritts in der Türkei verantworten. Der Vorwurf der Spionage wurde auf türkischer Seite offenbar nur kurz erhoben und soll dann zurückgezogen worden sein.

Soldaten als Pfand für Putschisten?

In Griechenland wird viel spekuliert über die Absichten, die hinter dieser Festnahme stecken könnten. Die Türkei könnte, so die Sorge, jetzt einen Deal mit den beiden griechischen Soldaten vorhaben - eine Art Austauschhandel, um die Auslieferung von acht türkischen Soldaten zu erzwingen, die im Sommer 2016 nach dem Putschversuch in der Türkei mit einem Hubschrauber nach Griechenland geflüchtet waren.

Der griechische Regierungssprecher sagte am Freitag in Athen, Griechenland befinde sich nicht im Krieg mit der Türkei und könne sich deshalb auch nicht auf eine Art Gefangenenaustausch einlassen.

Beziehungen weiter belastet

Sicher ist: Die Festnahme von zwei griechischen Soldaten am Grenzfluss Evros belastet das griechisch-türkische Verhältnis zusätzlich. In den vergangenen Wochen war es in der Ägäis immer wieder zu Streitigkeiten um Grenzverläufe zwischen der Türkei und Griechenland gekommen. Bei einem Ramm-Manöver wurde ein griechisches Patroillenboot durch ein türkisches Schiff so schwer beschädigt, dass es in einer Werft repariert werden muss.

Türkei: Griechische Soldaten warten auf den Prozess
Michael Lehmann, ARD Istanbul
04.03.2018 23:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. März 2018 um 05:26 Uhr.

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