Feuer in der türkischen Stadt Suruc. | Bildquelle: AFP

Nach Selbstmordattentat in Suruc Türkei macht IS für Anschlag verantwortlich

Stand: 21.07.2015 05:55 Uhr

Nach dem Selbstmordattentat im türkischen Suruc mit mindestens 31 Toten sind die Türken wütend und fassungslos. Ministerpräsident Davutoglu macht den IS verantwortlich. Präsident Erdogan verurteilte die Täter "dieser Unmenschlichkeit".

Mindestens 31 Tote und viele Verletze - das ist die vorläufige Bilanz nach dem Anschlag in der türkischen Stadt Suruc. Der türkische Ministerpräsident Davutoglu sprach von einem Selbstmordattentat. Alles deute darauf hin, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" für den Anschlag verantwortlich sei. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre es der erste IS-Anschlag in der Türkei. Laut türkischen Medien wurde der Anschlag von einer um die 20 Jahre alten Selbstmordattentäterin begangen.

Davutoglu sagte weiter, die Türkei werde jetzt schnell die Sicherheitsmaßnahmen an der Grenze zu Syrien verstärken.

Der türkische Außenminister Davutoglu. | Bildquelle: REUTERS
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Der türkische Außenminister Davutoglu.

Erdogan verflucht "die Täter dieser Unmenschlichkeit"

Staatspräsident Erdogan verurteilte den Anschlag scharf. "Im Namen meines Volkes verfluche und verurteile ich die Täter dieser Unmenschlichkeit", sagte er bei einem Besuch in Zypern.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach der Türkei sein Beileid aus. Kein Grund oder Missstand könne je einen Anschlag auf Zivilisten rechtfertigen, ließ Ban mitteilen.

Auch ein Sprecher des Weißen Hauses verurteilte den Anschlag im Namen der US-Regierung. Er versicherte, die USA seien fest entschlossen, die Bedrohung durch den Terror zu bekämpfen.

"Kurden unfassbar verbittert"

Demonstranten in der türkischen Stadt Istanbul werden mit Wasserwerfern auseinandergetrieben | Bildquelle: dpa
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Demonstranten in der türkischen Stadt Istanbul werden mit Wasserwerfern auseinandergetrieben

Im Zentrum Istanbuls gingen am Abend mehrere tausend Menschen aus Protest gegen das Attentat auf die Straße. Die Polizei löste die Demonstration mit Tränengas auf.

NDR-Journalist Volkmar Kabisch hatte zuvor berichtet, die türkischen Kurden reagierten "unfassbar verbittert" auf diesen Anschlag, der sich ihrer Meinung nach auf türkischem Boden gegen Hilfe für syrische Kurden gerichtet habe. Einige Organisationen hätten große Demonstrationen angekündigt, die sich nicht gegen den IS, sondern gegen einen aus ihrer Sicht mangelnden Schutz für Kurden in der Türkei richten sollen.

Schon im vergangenen Jahr hatten türkische Kurden massenhaft gegen die zögerliche Haltung der Regierung in Ankara bei der Hilfe für Kobane demonstriert.

"Kobane ein Stachel im Fleisch des IS"

Laut ARD-Korrespondent Michael Schramm stößt sich der "Islamische Staat" offenbar "in erheblichem Maße" an dem gewachsenen kurdischen Selbstbewusstsein nach der Verteidigung der syrischen Stadt Kobane, die direkt auf der anderen Seite der Grenze liegt. Die Stadt sei für den IS "ein Stachel im Fleisch".

Viele Tote und Verletzte nach Anschlag in der Türkei
tagesschau 20:00 Uhr, 20.07.2015, Michael Schramm, ARD Istanbul

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NDR-Journalist Kabisch, der sich im türkisch-syrischen Grenzgebiet aufhält, sagte bei tagesschau24, man könne die Attacke zudem auch als IS-Warnung an die Türkei verstehen. Diese hatte damit gedroht, in den syrischen Bürgerkrieg einzugreifen.

Offenbar war der Sprengsatz im Garten eines Kulturzentrums in der Innenstadt von Suruc detoniert. Zum Zeitpunkt der Explosion diskutierten 300 Mitglieder einer sozialistischen Jugendorganisation Wiederaufbaupläne für die benachbarte syrische Stadt Kobane.

In Suruc leben viele syrische Flüchtlinge

Die Grenzsstadt Kobane war im vergangenen Jahr monatelang Schauplatz heftiger Kämpfe, nachdem der "Islamische Staat" dort eingerückt war. Im Januar zwangen kurdische Kämpfer mit Unterstützung von US-geführten Luftangriffen die IS-Kämpfer zum Rückzug. Ende Juni startete der IS eine neue Offensive, wurde aber rasch wieder vertrieben.

In Suruc befindet sich auch eines der größten Flüchtlingslager für Syrer, die vor den Kämpfen in ihrer Heimat flohen. Dort leben etwa 35.000 Menschen.

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