Deutsches Konsulat in Istanbul wird von Polizei bewacht | Bildquelle: REUTERS

Nach Terrorgefahr in Istanbul Konsulat wegen Hinweis auf IS-Anschlag geschlossen

Stand: 18.03.2016 12:29 Uhr

Grund für die Schließung der deutschen diplomatischen Vertretungen in der Türkei war eine konkrete Anschlagswarnung mit IS-Bezug. Name, Telefonnummer und Foto des angeblichen Attentäters lagen den deutschen Behörden vor. Ob die Bedrohung real war, bleibt aber unklar.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

Am späten Mittwochabend erhielten die deutschen Sicherheitsbehörden den Hinweis: Gegen das deutsche Generalkonsulat in Istanbul sei ein Anschlag geplant. Der Hinweis war sehr konkret; gewarnt wurde vor einem Attentäter mit IS-Bezug. Der Hinweis enthielt den Namen und ein Foto des angeblichen Attentäters, sogar eine Telefonnummer wurde genannt. Das erfuhr der RBB in deutschen Sicherheitskreisen.

Mit dem Anschlag habe jederzeit gerechnet werden müssen, heißt es, deshalb hätten die deutschen Sicherheitsbehörden keine Alternative zur sofortigen Schließung der deutschen diplomatischen Einrichtungen in der Türkei gesehen. Sicherheitshalber blieb nicht nur das Generalkonsulat in Istanbul, sondern auch die deutsche Botschaft in Ankara geschlossen, sowie die deutsche Schule.

Die Zeit war knapp

Einzelheiten zu dem angeblichen Anschlagsplan enthielt der Warnhinweis aber nicht. Man habe nicht einmal mehr Zeit gehabt, die Situation mit den türkischen Behörden zu besprechen, heißt es in deutschen Sicherheitskreisen. Ein wirksamer Schutz des deutschen Generalkonsulats in Istanbul sei ohnehin kaum möglich. Ob tatsächlich eine reale Gefahr bestanden hat, ist ebenfalls unklar.

Deutsche Einrichtungen in der Türkei wegen Terrorgefahr geschlossen
tagesschau 17:00 Uhr, 17.03.2016, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Von dem angeblichen Attentäter fehlt jede Spur, er ist den Sicherheitsbehörden nicht bekannt. Denkbar ist deshalb, dass es sich um einen Fehlalarm handelt. Der Fall erinnere an den Warnhinweis, der im November - unmittelbar nach dem verheerenden Terroranschlag in Paris - zur Absage des Fußball Länderspiels in Hannover führte, heißt es in deutschen Sicherheitskreisen. Auch damals kam ein sehr konkreter Hinweis unmittelbar vor dem Spiel, so dass man keine andere Möglichkeit sah, als das Spiel abzusagen. Ähnlich war die Situation in der Silvesternacht: ein konkreter Warnhinweis vor einem angeblich geplanten Anschlag auf einen Münchner Bahnhof führte dazu, dass sowohl der Hauptbahnhof als auch der Bahnhof Pasing geräumt und abgeriegelt wurden.

Die Situation in der Türkei gilt als besonders brisant. Der "Islamische Staat" unterhält Strukturen im Land, um Kämpfer zu rekrutieren und nach Syrien einzuschleusen. Deutsche waren in diesem Jahr bereits Ziel eines Anschlags in der Türkei, der dem IS zugerechnet wird: Am 12. Januar wurde eine deutsche Reisegruppe Opfer eines Anschlags in Istanbul, bei dem zwölf Menschen getötet und 13 weitere verletzt wurden. Ob seinerzeit gezielt Deutsche ausgewählt wurden, ist unklar.

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