Flaggen Türkei und Deutschland | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kritik an Soldaten-Asyl "Nachsicht gegenüber Putschisten"

Stand: 11.05.2017 15:37 Uhr

Die Türkei hat das von Deutschland gewährte Asyl für türkische Soldaten scharf kritisiert. Die Entscheidung der deutschen Behörden zeige deren "Nachsicht gegenüber einer putschistischen Mentalität", so das Außenministerium in Ankara.

Die Türkei hat die Aufnahme türkischer Soldaten als politische Flüchtlinge in Deutschland verurteilt und eine Prüfung der Entscheidung gefordert. Man bedauere, dass die Asylanträge mancher ehemaliger Militärs positiv entschieden wurden, teilte das Außenministerium in Ankara mit. Die Entscheidung der deutschen Behörden zeige deren "Nachsicht gegenüber einer putschistischen Mentalität". Es bezeichnete die "ehemaligen Militärs" erneut als Angehörige der "Terrororganisation von Fethullah Gülen". So nennen die türkischen Behörden die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Gülen. Die Regierung in Ankara macht ihn für den gescheiterten Putsch vom vergangenen Juli verantwortlich.

In der Erklärung des Außenministeriums wird Deutschland aufgefordert, die Asylentscheidung rückgängig zu machen. Diese schade den beiderseitigen Beziehungen. "Obwohl alle Beweise, die die Verbindungen der Putschisten zu Gülen zeigen, auf der Hand liegen, stellt diese Entscheidung Deutschlands einen Schritt dar, der mit dem Geiste der Allianz nicht einhergeht und den mehrdimensionalen Beziehungen zwischen unseren Ländern schadet", teilte das Außenministerium mit.

Asyl für türkische NATO-Soldaten

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass mehrere Türken mit Diplomatenpass in Deutschland Asyl bekommen haben. Darunter sind nach Angaben von WDR, NDR und der "Süddeutschen Zeitung" türkische Soldaten und ihre Familien. Es handele sich demnach um NATO-Soldaten, die vor ihrer Entlassung aus der türkischen Armee in Deutschland stationiert gewesen seien.

Nach dem gescheiterten Militärputsch wurden in der Türkei Zehntausende Menschen inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen. Laut Medienberichten stellten seitdem 414 türkische Soldaten, Diplomaten, Richter und hohe Staatsbeamte in Deutschland einen Asylantrag. Ende Januar forderte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik, Deutschland solle alle Asylanträge türkischer Offiziere ablehnen. Das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland ist stark angespannt. Ankara wirft den deutschen Behörden vor, "Terroristen" zu beherbergen, Deutschland kritisiert das harte Vorgehen gegen die Opposition in der Türkei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2017 um 14:00 Uhr

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