Mitglieder der syrischen Armee posieren mit Siegesgesten, nachdem sie die nördlich von Aleppo gelegene Stadt Kiffin einnehmen konnten. | Bildquelle: AFP

Kampf um Aleppo Syrische Armee will auch Osten erobern

Stand: 11.02.2016 18:29 Uhr

Der Kampf um das syrische Aleppo tobt weiter: Noch wird der Osten der Stadt von Oppositionsgruppen kontrolliert. Doch jetzt versucht die syrische Armee offenbar, diesen Stadtteil zu umzingeln - und treibt damit Zehntausende in die Flucht.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Seit gut einer Woche rückt die syrische Armee in Richtung Norden vor - mithilfe der russischen Luftwaffe und schiitischen Kämpfern aus dem Ausland. Kilometer für Kilometer erobert sie Gebiete, die zuletzt von den Regierungsgegnern beherrscht wurden. Auch die wichtigste Nachschubroute der Rebellen in Richtung Türkei hat die Armee bereits gekappt.

Jetzt versuchen die Regierungstruppen offenbar, den Osten der Stadt Aleppo unter ihre Kontrolle zu bringen, der von den Oppositionsgruppen beherrscht wird. Die Einwohner dieses Gebiets befürchten, dass sie von der Außenwelt abgeschnitten werden könnten. "Wir haben Angst, dass Aleppo wie die Städte Zabadany, Madaya und Ostghota belagert wird. Wir haben Angst vor dem Verhungern, denn unser Vorrat reicht kaum für einen Monat", sagt ein Einwohner Aleppos. Die Preise für Lebensmittel würden durch die Belagerung rund um die Stadt "wie verrückt" ansteigen. "Wenn auch Aleppo belagert wird, dann werden noch eine halbe Million Menschen fliehen", meint der Syrer weiter.

Alle Regierungsgegner gelten als "Terroristen"

Zehntausende Syrer haben die Stadt und ihre Umgebung bereits verlassen und sind nach Norden, Richtung türkische Grenze geflohen. Doch dort kommen sie nicht weiter. Die Türkei hält ihre Grenze geschlossen, versorgt die Flüchtlinge auf der syrischen Seite mit Zelten und Lebensmitteln. Täglich werden es mehr. Denn die syrische Armee setzt ihren Vormarsch gegen die "Terroristen" fort: Darunter versteht sie alle Gegner der Regierung, nicht nur die Kämpfer des "Islamischen Staates".

Die Türkei befürchtet, dass die Zahl der Flüchtlinge durch den Kampf um Aleppo deutlich steigen könnte. EU-Minister Volkan Bozkir ging von 1,5 Millionen Menschen aus, die an die Grenze kommen könnten.

Dass Russland Damaskus militärisch unterstützt, heize den Konflikt zwischen der syrischen Regierung und den Oppositionsgruppen noch weiter an, sagte US-Außenminister John Kerry Anfang der Woche in Washington: "Russlands Engagement in Aleppo und in der Region machen es sehr viel schwieriger, sich an einen Tisch zu setzen und ernsthaft miteinander zu sprechen. Wir fordern Russland immer wieder auf, sich um einen Waffenstillstand zu bemühen und humanitäre Hilfe zuzulassen."

Diese Forderung stellen auch die Oppositionsgruppen. Solange sie nicht erfüllt ist, wollen sie nicht verhandeln - ein Grund, warum die Friedensverhandlungen in Genf vergangene Woche vertagt wurden.

Rebellen militärisch unterlegen

Die Rebellen haben keine Kampfjets und keine Luftabwehrraketen. Sie können also vielerorts nur zuschauen, wie die syrische Armee an Boden gewinnt. Bei den Kämpfen in und um Aleppo sollen in der vergangenen Woche mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen sein. Tausende Häuser und Wohnungen wurden zerstört.

Die Aussichten, in der Stadt bleiben zu können, schwinden von Tag zu Tag, erzählen die Einwohner dem arabischen Nachrichtenkanal Al-Jazeera: "Wir hoffen, dass sich alle Oppositionsgruppen in und um Aleppo einigen und die Versorgungsroute zurückgewinnen. Ansonsten werden viele Menschen dorthin fliehen, wo nun die Frauen und Kinder im Schlamm schlafen, wo sie nicht mal Toiletten, wo sie gar nichts haben."

Der Kampf um Aleppo
Anne Allmeling, ARD Kairo
11.02.2016 18:13 Uhr

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