Eine Frau steht mit Blumen vor Polizeikräften in Ankara | Bildquelle: REUTERS

Nach dem Attentat von Ankara Tränen, Bomben und Vorwürfe

Stand: 11.10.2015 13:27 Uhr

Nach dem bisher schwersten Anschlag der Geschichte in der Türkei trauert das Land um die mindestens 95 Toten von Ankara. Doch am Rande der Trauerfeiern kam es zu Rangeleien zwischen Polizei und Kurden. Die Regierung flog derweil Luftangriffe auf die PKK.

Nach dem verheerenden Anschlag in Ankara ist es am Rande der Trauerfeierlichkeiten zu Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Beamte hinderten die beiden Vorsitzenden der prokurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag, daran, Kränze an der Stelle niederzulegen, an dem am Samstag zwei Bomben explodiert waren. Dabei wurden laut HDP 128 Menschen getötet. Laut offiziellen Angaben starben 95 Menschen.

Die Opfer hatten an einer auch von der HDP organisierten Demonstration für mehr Demokratie und gegen Gewalt zwischen Türken und Kurden teilgenommen. Demirtas und Yüksekdag wollten zusammen mit mehr als 1000 Unterstützern der Toten gedenken, doch die Polizei hielt sie zurück und erklärte, die Ermittler müssten den Tatort noch weiter untersuchen.

Luftangriffe auf PKK-Stellungen

Wer für das Attentat verantwortlich ist, steht bisher nicht fest. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu vermutet jedoch kurdische PKK-Rebellen oder die Terrormiliz "Islamischer Staat" hinter dem Anschlag. Aus Sicherheitskreisen verlautete jedoch, erste Hinweise deuteten auf die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS). Die pro-kurdische Partei HDP beschuldigte dagegen die islamisch-konservative Regierungspartei AKP, ihre Finger im Spiel zu haben, um ihre Stellung vor der Wahl am 1. November zu stärken. Die PKK erklärte wenige Stunden nach dem Attentat eine einseitige Waffenruhe.

Dennoch flog die die türkische Regierung Luftangriffe auf PKK-Stellungen. Die Luftwaffe bombardierte Stellungen im Südosten der Türkei und im Norden des Irak. Die PKK hatte bereits in der Vergangenheit Feuerpausen verkündet, zum Teil auch vor Wahlen.

Türkei-Experte Günter Seufert, Stiftung Wissenschaft und Politik, zum Anschlag in Ankara
tagesthemen 23:30 Uhr, 10.10.2015

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HDP vermutet AKP-Beteiligung

Anders als die Regierung gehen ihre Kritiker nicht davon aus, dass hinter dem Attentat von Ankara PKK oder IS stecken. Bereits am Samstag hatten in Istanbul Tausende die AKP-Regierung für das Blutvergießen verantwortlich gemacht.

Es war der dritte Anschlag auf kurdische Aktivisten in der Türkei in den vergangenen Monaten. Im Juli wurden 33 Friedensaktivisten in der Grenzstadt Suruc getötet. Der Anschlag wurde dem IS zugeschrieben. Im Juni wurden bei einer Wahlkampfveranstaltung der prokurdischen Partei HDP zwei Menschen getötet.

Die Regierung verhängte drei Tage Staatstrauer. In der Türkei wird in drei Wochen ein neues Parlament gewählt. An dem Wahltermin am 1. November werde festgehalten, teilte ein Regierungsvertreter mit. Wegen des gestiegenen Risikos würden jedoch die Sicherheitsvorkehrungen bei Wahlkampfveranstaltungen weiter verschärft.

Tausende Menschen gedenken der Opfer
tagesschau 17:15 Uhr, 11.10.2015, Martin Weiss, ARD Istanbul

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