Das TTIP-Abkommen soll die Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA erleichtern.

Bertelsmann-Studie Jeder dritte Deutsche lehnt TTIP ab

Stand: 21.04.2016 07:25 Uhr

In Deutschland wächst die Kritik am umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP. Das hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben. Demnach lehnt inzwischen jeder dritte Bundesbürger das Abkommen ab. Auch in den USA schwindet die Akzeptanz.

Die Kritik an dem umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP hat in Deutschland drastisch zugenommen. Jeder dritte Bundesbürger lehnt einer neuen Studie zufolge das geplante Abkommen zwischen der EU und den USA ab, wie die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh erklärte. Im Jahr 2014 war es lediglich jeder vierte. Die Zustimmung brach von 55 Prozent im Jahr 2014 auf aktuell 17 Prozent ein.

Für die Studie befragte das internationale Institut YouGov im Auftrag der Stiftung Ende Februar rund 2000 Menschen in Deutschland und rund 1100 in den USA. Grund für die ablehnende Haltung der Deutschen sei vor allem Angst vor schlechteren Produkt-, Verbraucherschutz- und Arbeitsmarktstandards, erklärte die Stiftung. Fast die Hälfte der Deutschen (48 Prozent) fürchtet negative Folgen für den Verbraucherschutz. Kritisiert werde auch die Informationspolitik. Unabhängig vom Abkommen sank in Deutschland auch die Zustimmung gegenüber dem globalen Handel von 88 auf 56 Prozent.

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Skepsis auch in den USA

In den USA nimmt die Akzeptanz laut der Studie ebenfalls ab. So sank dort die Zustimmung von 53 Prozent im Jahr 2014 auf aktuell 15 Prozent. Die Ablehnung stieg hingegen nur leicht von 18 auf 20 Prozent im gleichen Zeitraum. Rund die Hälfte der Befragten sehen sich weder als Befürworter noch als Gegner des Abkommens. Grund für den negativen Trend seien vor allem Klagen über zu wenig Information, hieß es. Fast die Hälfte der Bevölkerung (46 Prozent) fühlt sich der Studie zufolge nicht ausreichend informiert. Gegenüber dem globalen Handel im Allgemeinen stieg hingegen die Zustimmung von 71 auf 82 Prozent.

Das geplante Abkommen soll die weltweit größte Freihandelszone schaffen. Dazu sollen Produkt- und Arbeitsstandards harmonisiert sowie Wettbewerbsregulierungen abgebaut werden. Befürworter versprechen sich durch TTIP Millionen neuer Jobs auf beiden Seiten des Atlantiks. Kritiker befürchten dagegen, dass europäische Umwelt- und Gesundheitsbestimmungen aufgeweicht und Arbeitnehmerrechte ausgehöhlt werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 23. April 2016 um 17:09 Uhr

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