Tsunami

Fünf Jahre nach dem Tsunami Der Tag, an dem Hunderttausende starben

Stand: 26.12.2009 11:23 Uhr

Millionen Obdachlose und mehr als 220.000 Tote - die Flutwelle, die am Morgen des 26. Dezembers 2004 über die Küsten des Indischen Ozeans hereinbrach, war eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes. Auch wenn man die Zerstörung durch den Tsunami heute kaum noch sieht, das Trauma ist geblieben.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Urlaubsstimmung am Strand von Phuket. Weihnachten ist in Thailand Hochsaison. Die meisten Hotels in den Ferienorten an der Küste der zum Indischen Ozean gehörenden Andamanensee sind normalerweise so gut wie ausgebucht. Auch vor fünf Jahren war das so.

Am frühen Morgen des 26. Dezember 2004 waren viele Touristen schon am Strand und genossen die Morgensonne, als gegen 8 Uhr Ortszeit zunächst ein Erdbeben zu spüren war und wenig später die bisher größte Katastrophe im Indischen Ozean über die Menschen herein brach.

Zerstörte Bungalows
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Zerstörte Bungalows am Strand auf der Insel Phi Phi in Thailand.

Eine gewaltige Tsunami-Welle schwappte über die Küsten und richtete unvorstellbar riesige Schäden an. Mehr als 220.000 Menschen sind bei dieser Katastrophe ums Leben gekommen. Knapp 175.000 Tote wurden gezählt, mehr als 50.000 Menschen gelten als vermisst. Rund 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos, als Tausende Ortschaften  entlang der Küsten rund um den Indischen Ozean völlig zerstört wurden.

Allein in Indonesien gab es fast 127.000 Opfer, die meisten in der Provinz Aceh auf der Insel Sumatra. In Thailand waren es 5.400 Tote, darunter viele ausländische Touristen. 31.000 Opfer wurden in Sri Lanka gezählt, mehr als 10.000 in Indien und selbst in Afrika, auf der anderen Seite des Indischen Ozeans, kam die Tsunami-Welle an und brachte Tod und Zerstörung.

Zerstörtes Gebiet in Banda Aceh
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20. Januar 2005: Auch dreieinhalb Wochen nach dem Seebeben ist Banda Aceh überflutet.

Ahnungsloses Staunen angesichts der Welle

Kurz bevor die gewaltige, bis zu 10 Meter hohe Welle über die Küsten herein brach, hatte sich das Wasser mehrere 100 Meter weit zurück gezogen. Fischerboote lagen plötzlich auf dem Trocknen und die Urlauber in den thailändischen Ferienorten kamen an die Strände, um das ungewöhnliche Naturereignis zu bestaunen. Der bevorstehenden Gefahr war sich kaum jemand bewusst.

"Vor einer Minute war die ganze Lagune ohne Wasser. Jetzt kommt hier eine gewaltige Welle an. Bringt mal die Kamera, ich glaube, wir haben hier ein einzigartiges Ereignis ..." , kommentiert ein deutscher Familienvater, der das Geschehen mit seiner Videokamera fürs Urlaubsarchiv filmte. Dann hört man ihn nur noch schreien: "Lauft, lauft!"

Überlebende suchen nach vermissten Angehörigen
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31. Dezember 2004: Ärzteteams und Gerichtsmediziner bemühen sich, die vielen Toten zu registrieren. Hier in Khao Lak suchen Überlebende nach vermissten Angehörigen. Eine Identifizierung wird mit jedem Tag schwieriger.

Die Schäden verschwunden, das Trauma geblieben  

Inzwischen tummeln sich am Strand von Khao Lak wieder die Urlauber. Die Hotels sind wieder aufgebaut. Von den Schäden, die die Riesenwelle damals anrichtete, ist auf den ersten Blick nichts mehr zu sehen.

Wie in jedem Jahr gibt es auch in diesem wieder eine Gedenkfeier für die Opfer des Tsunamis. Nicht nur Touristen nehmen daran teil, sie ist vor allem für die Menschen gedacht, die hier leben und arbeiten. Denn viele von ihnen haben das Trauma, das die Katastrophe damals ausgelöst hat, noch längst nicht überwunden.

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