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Präsidentschaftswahl in Tschechien

Großer Andrang bei Direktwahlpremiere

In Tschechien zeichnet sich eine hohe Beteiligung bei der Präsidentschaftswahl ab. Vor den Wahllokalen, die noch bis heute Mittag geöffnet haben, herrschte großer Andrang. Vorläufige Endergebnisse sollen am Abend vorliegen. Beobachter rechnen jedoch damit, dass eine Stichwahl nötig sein wird.

Von Stefan Heinlein, ARD-Hörfunkstudio Prag

Großer Andrang herrschte in den Wahllokalen des Landes. Bei der Direktwahlpremiere wird mit einer hohen Beteiligung der über acht Millionen Stimmberechtigten gerechnet. Bisher wurde der Präsident durch beide Kammern des Parlamentes bestimmt. "Die Menschen wollten unbedingt diese Volkswahl", meint der Journalist Petr Honzejk. "Das ist gut für unsere Demokratie. Das Interesse an dieser Wahl ist sehr groß."

Wahlen in Tschechien haben begonnen
S. Heinlein, ARD Prag
11.01.2013 17:37 Uhr

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Zweistündige Live-Show

Die neun Kandidaten im Prager Kongresszentrum wurden mit viel Applaus begrüßt. Es ist der Abschluss einer ganzen Serie von öffentlichen Diskussionen. Die zweistündige Live-Show wird zur besten Sendezeit im Fernsehen übertragen. Der scheidende Amtsinhaber Vaclav Klaus ist nicht erschienen. "Ich halte die Direktwahl für einen fatalen Fehler", meint der Europaskeptiker. "Das ist doch eine Suche nach dem tschechischen Superstar."

Doch die die große Mehrheit der Bevölkerung denkt anders als der neoliberale Wirtschaftsprofessor. Spätestens seit seiner Massenamnestie für Kleinkriminelle haben die Tschechen genug von Klaus. Sie wünschen sich einen politischen Neuanfang: "Jetzt reicht es wirklich mit Klaus", meint ein Mann. "Er soll schnell in Rente gehen. Er hat uns in Europa miserabel repräsentiert."

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Der Kandidat Milos Zeman gibt seine Stimme bei den Präsidentschaftswahlen in Tschechien ab.
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Milos Zeman gilt als einer der Favoristen für das Präsidentenamt.

Laut Umfragen wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden ehemaligen Ministerpräsidenten Milos Zeman und Jan Fischer geben. Beide haben angekündigt nach der Wahl die Europafahne wieder auf der Prager Burg wehen zu lassen. "Ich möchte den Menschen Hoffnung geben", erklärt Fischer. "Sie brauchen eine Perspektive. Es muss möglich sein, in unserem Land eine anständige Politik zu machen."

Auch der ehemalige Sozialdemokrat Zeman will als Präsident gegen die allgegenwärtige Korruption in Tschechien kämpfen. Allerdings muss er sich gegen Vorwürfe wehren, sein Wahlkampf sei vom russischen Mineralölkonzern Lukoil finanziert worden. "Darf ich mich vorstellen - ich bin ein russischer Agent", versucht er die Angelegenheit herunterzuspielen. Und erklärt weiter: "Das ist doch alles Unsinn was in den Zeitungen geschrieben wird. Ich habe kein Geld von Lukoil bekommen."

Stichwahl in zwei Wochen

Viele Beobachter in Tschechien misstrauen den klaren Umfrageergebnissen. Sie halten den Wahlausgang für völlig offen. Vor allem der proeuropäische Außenminister Karel Schwarzenberg könnte durchaus noch in das Rennen um die Prager Burg eingreifen. Außenseiterchancen hat der von Kopf bis Fuß schwarz-blau tätowierte Professor Valdimir Franz. Vor allem für die junge Generation ist der Künstler die einzig echte Alternative zur etablierten Politik. In der ersten Wahlrunde ist die absolute Mehrheit der Stimmen notwendig. Die endgültige Entscheidung fällt deshalb voraussichtlich erst in einer Stichwahl in zwei Wochen.

Stand: 12.01.2013 00:06 Uhr

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